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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

und ging in Differenzen über Entscheidung und Auslegung der Gesetzeauseinander, bietet aber nicht das Schauspiel heftiger Streitigkeiten,weil es bereits ein Gemeinsames, eine anerkannte Formel, eine fest-stehende Norm hatte, welcher sich alle Autoritäten unterordneten. Unterden Gesetzeslehrern dieses Geschlechtes war der älteste R. Chanina b.Chama aus Sepphoris (um 180260). Er stammte aus einemalten, edlen Geschlechts und übte die Arzneikunde aus *), wie dennüberhaupt diese Wissenschaft, die im levitischen Kreise heimisch war,auch bei Gesetzeslehrern Pflege gefunden hat. Es ist bereits erzählt,wie der Patriarch R Juda I. ihn aus Empfindlichkeit lange vernach-lässigt und erst auf seinem Todtenbette seinem Nachfolger empfohlenhat, ihm die vorenthaltene Ordination zu ertheilen, und ihm denVorrang vor allen übrigen Jüngern einznränmen. Als ihmR. Gamaliel III, in gewissenhafter Erfüllung des väterlichen Willens,die erste Stelle ertheilen wollte, lehnte sie R. Chanina aus Bescheiden-heit ab, indem er sie an den um einige Jahre ältern Ephvs ausLydda abtrat, ja er trat auch vor einem andern zurück, vor Lcvyb. Sißi, und begnügte sich mit der dritten Stelle in der Reihe derOrdinirten Als er später einem eigenen Lehrhanse in SepphorisVorstand, war seine Lehrweise einfach. R. Chanina war ganz Amorain dem ursprünglichen Sinn des Wortes; er trug die Mischna oderdie Bora'itas nur mit den Erläuterungen vor, wie er sie traditionellvernommen, ohne sich eine selbstständige Folgerung zu erlauben. Kamenneue Fälle vor, welche in der Mischna nicht angedeutet waren, soentschied er sie nicht nach eigenem Urtheile, sondern zog kundigeCollege» oder auch Jünger dabei zu Rathe, wenn die Entscheidungnoch so nahe lag. Er war sich selbst seines Standpunktes bewußtund sprach sich öfter darüber ans, daß er nie eine Entscheidunggetroffen habe, die er nicht durch Tradition überkommen hätte ^). AlsR- Jochanan und Simon b. Lakisch erstaunt darüber waren, daß ersie, die Jüngeren, bei einem Falle zur Berathung gezogen hatte,äußerte sich R. Chanina:Ich habe nie ein halachisches Urtheilabgegeben, wenn ich es nicht von meinem Lehrer theoretisch unzähligeMale gehört und praktisch mindestens dreimal bewährt gefunden habe;da ich aber den gegenwärtigen Fall nur zweimal wahrgeuommen habe,darum verlange ich euren Beirath" ^). R. Chanina war dasselbe unterden Amoras, was R. Elieser b. Hyrkanos unter den Tanalten, durchaus

0 ckows x. 49 s. -) Vergl. Note 25.

fl cksrns ^Iiocls 8s.ru I. x. .49 cl. golrebilt VI. p. 36 ä.

fl Tas. diülcls II. Ende.