Frcimuth der Gesetzeslehrer. 227
obwohl sie R. Juda nicht mißbrauchte, mißfiel den Gesetzeslehrernumsomehr, als er seinerseits den Gelehrtenraug nicht besonders begünstigte,sich vielmehr bestrebte, den Unterschied zwischen Gelehrten und Un-gelehrten in bürgerlichen Verhältnissen auszuheben. Er zog die Gesetzes-lehrer auch zu Gemeindelasten herbei, z. B. zur Ausbesserung derStadtmauern, zum Unterhalte der Stadtwächter, dem Gebrauche zu-wider, der die Gelehrtenklasse davon befreit hatte. Jene hatte denGrundsatz vertheidigt: die Gesetzesbeflissenen können den Schutz derMauern entbehren, da das Gesetz ihr Schutz sei. R. Simon b. La lisch,einer jener freimüthigen Männer, welche die Wahrheitsliebe bis zurNichtachtung von Personen treiben, widersprach besonders dieser Gleich-stellung') und erlaubte sich überhaupt beleidigende Ausfälle gegenden Patriarchen. Einst trug Bar-Lakisch im Lehrhause den Satz vor,daß im Falle der Patriarch sich ein Vergehen zu Schulden kommenließe, müßte man gegen ihn wie gegen den ersten besten Geißelstrafeverhängen. Ein Anderer, R. Chaggai, machte dazu die Bemerkung,man müßte ihn dann gar absetzen und nicht wieder zum Amte zu-lassen, sonst würde er durch seine Macht sich an den Urhebern seinerSchande rächen. Diese Auseinandersetzung war ein offenbarer Angriffaus R. Jnda's größere Machtstellung. Dieser, anfangs ungehalten überdiese Aeußernng und hingerissen vom ersten Eindruck, sandte seinegothischen Sklaven, sich des Tadlers zu bemächtigen. Ben-Lakisch,vorher davon unterrichtet, hatte sich aber nach Magdala (nach Anderennach dem Bergflecken Kephar-Chitin) geflüchtet. Als R. Jochananam andern Morgen in Gegenwart des Patriarchen den Lehrvortrageröffnen sollte, schwieg er und bedeutete dem erstaunten Patriarchen,er vermöge ohne Simon b. Lakisch nicht vorzutragen. R. Inda, dieUnentbehrlichkeit des Flüchtlings einsehend, war bald besänftigt, verziehdie Beleidigungen, erkundigte sich nach dem Aufenthalte desselben undnahm sich vor, ihn selbst abzuholen. Das Zusammentreffen Beiderwar charakteristisch. R. Simon b. Lakisch, überrascht von dessenfreundlicher Zuvorkommenheit, sagte dem Patriarchen anfangs etwasSchmeichelhaftes: Ec ahme Gott nach, der sich selbst nach Egyptenbegeben, sein geknechtetes Volk zu erlösen. Als ihn aber R. Judafragte, was ihn bewogen habe, sich so schonungslos über ihn zuäußern, gab Ben-Lakisch eine noch schonungslosere Antwort: „GlaubtIhr denn, daß ich ans Furcht vor Euch die Gotteslehre verschweigenwerde?" ^). Ein anderes Mal beklagte sich der Patriarch bei b. Lakisch
') Laba Latra. 7 k>.
') Isrns. 8Mbsärin II. Ans. Horajot III. Auf.
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