226 Geschichte der Juden.
schien diese Neuerung Abba-Arcka so kühn, daß er dem Referentenkeinen Glauben schenkte. Samuel, aber, der überhaupt die Autoritätdes Patriarchen auch in Babylonien nach wie vor anerkannt wissenwollte, zwang ihn, von der Erlaubniß Gebrauch zu machen, sonstwollte er ihn wie einen Widersetzlichen gegen einen Synhedrialbeschlnßbehandeln lassen^). Eine andere Erleichterung, die der Patriarchbeabsichtigte, die lästige Schwagerehe in gewissen Fällen durch einenvor dem Tode auszustellenden Scheidebrief zu umgehen, fand bei seinemCollegium keine Zustimmung^). Auch das Brod von Heiden wollteer gern zum Genuß gestatten. Als er einst auf dem Felde mit seinen .Jüngern war, welche zur Stillung ihres Hungers kein anderes als Iheidnisches Brod fanden, bemerkte R. Inda: „Wie schön ist diesesBrod, warum haben es die früheren Weisen verboten?" Einer der-selben ermunterte ihn, auch diese Erleichterung zu sanctioniren, wo-rauf er erwiderte: „Ich darf nicht, man würde mich den Erleichterernennen" 2). Auch den neunten Ab: als Fasttag zur Erinnerung so !vieler Katastrophen, wollte er nach Einigen ganz, nach Anderen nur !in dem Falle abschaffen, wenn er auf einen Sabbat fiele und derRegel nach auf den folgenden Tag verschoben werden sollte. Seinleitender Grundsatz dabei war: daß dieser Tranertag seine Bedeutungmit dem Aufhören grausiger Verfolgungen verloren habe; dieser Ver-änderung waren aber die zeitgenössischen Gesetzeslehrer entgegen Z.Hingegen waren sie mit ihm einverstanden, das Trauerzeichen aus der "hadrianischen Unglückszcit anfznheben; die Bräute durften wieder in jPrachtsänften am Hochzeitstage getragen werden"') '
Ungeachtet der Verehrung, welche die Gesetzeslehrer für denPatriarchen R. Juda empfanden, waren sie für seine Schwächen nichtblind, und er mußte sich manche Angriffe von ihrer Seite gefallenlassen. Das Patriarchat hatte unter ihm eine fast königliche Machterlangt und war sogar mit einer Leibwache umgeben"), welche bereitwar, den Befehlen des Patriarchen Nachdruck zu geben. Diese Macht, j
>) ^boäa Lara 36 a. Isrus. dal. II. 41 cl. »
2) Lllttin 76 b. 2 ) ^Vocta Lara 35 a. p. 41 cl. ^
4) Isrns. illsZMa 1 70 ti. Lalüi das. 5 b. In Babli sind zwei Fakta, I
von denen das eine R. Juda I., das andere R. Juda II. gehört, zusammen- I
geflossen, in Jeruschalmi wird richtig irpn R. Juda II. als Zeit- s
genossen R. Eleasar's zugeschrieben, hingegen gehört 'nisr ra> "Nr?? v ^
R. I. I. an. sAuch im Jeruschalmi wird hier Eleasar nur als Zeitgenosse des l
n: des Tradenten im Namen Chanina's angeführt, dessen Schüler l
diese Beiden waren. Chanina stand aber nur zu R. Juda I in Beziehung.^ i
5) Lola 40 a. Der Ausdruck mmri weist nach 6rttin 76 v. auf R. Juda II hin.
") Note 23.