Juda's I. Tod.
211
und Simon der Parther, die ihn beim Leben mit vieler Liebebehandelten, sollten sich auch nach dem Tode mit seiner Leiche beschäftigen.Das Synhedrialcollegium bat er, bei seiner Leichenbestattnng keineFormalitäten zn machen, in den Städten keine Tranerfeierlichkeiten umihn begehen zu lassen und schon nach dreißig Tagen die Lehrversammlnngwieder zn eröffnen. Er starb an einer Unterleibskrankheit, die mandie Krankheit der Frommen nannte. Viel Volk ans den Nachbarstädtenhatte sich in Sepphoris bei der Nachricht von dem herannahendcn Todedes Patriarchen versammelt, um ihm Theilnahme zu erweisen. Als wennes gar nicht möglich wäre, daß er sterben könne, drohten die Volksmassendemjenigen mit dem Tode, der die Trauerpost überbringen würde. DieSpannung und Aufregung war so groß, daß man in der That einengewaltthätigen Ausbruch des Schmerzes von der aufgeregten Mengefürchtete. Bar-Kappara theilte indcß die Todesanzeige ohne Wortemit. Mit verhülltem Haupte und zerrissenen Kleidern sprach er zumVolke:
„Engel und Sterbliche rangen um die Bundsslade,
Es siegten die Engel, und entschwunden ist die Bundeslade."
Als das Volk darauf einen Schmerzensschrei ausstieß: „er isttodt!", sprach Bar-Kappara: „ihr sagt's"; das Wehklagen der Massensoll bis Gabbata, drei Biertelmeilen von Sepphoris, gehört wordensein, — R. Juda starb an einem Freitage. Zahlreich war das Leichen-gefolge, das den Verblichenen von Sepphoris nach Bet-Schearim begleitete,und in achtzehn Synagogen hielt man ihm Gedächtnißreden. Selbst dieAhroniden beschäftigten sich dem Gesetze zuwider mit der Leiche; manverkündete: „für heute hört die Priesterweihe auf" *). Synhedrin undPriesterthum ordneten sich bereitwillig demjenigen unter, welcher in seinerPerson die Lehre repräsentirtc. Man nannte ihn nach dem Tode „denHeiligen" (Im Xaäosolw; die Späteren wußten nicht mehr den Grunddafür anzngeben.
Von R. Juda's Nachfolger R. Gamaliel III. (um 210 — 225)weiß die Geschichte weiter nichts zu erzählen, als daß er die Verordnungenseines Vaters pünktlich ausführte. Beherzigenswcrth sind die Sprüche,die sich von ihm erhalten haben, welche ein scharfes Licht auf die Zuständeder Zeit werfen: „Schön ist die Beschäftigung mit der Lehre, wenn
man dabei auch weltliche Geschäfte treibt, die Mühe um beides läßtdie Sünde nicht aufkommen; Gesetzesstudium ohne Handwerk geht zuletztunter und zieht Sünde nach sich. Wer sich mit Gemeindeangelegen-heiten befaßt, soll es um Gotteswillen (ohne eigennützige Nebenzwecke)
') Xslnbot 103 lg-, ssr. Xslubob XII. Ende. Xilujim IX. Ende. OsnesisÜÄlwk o. 90. 100. Xobölsb Xabda zu 7. II.
> X-