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Geschichte der Juden.
durch die Kriegsuuriihen, Steuern und Gelderpressungeu verarmt war,doppelt drückend. Darauf nahm der Patriarch Rücksicht, dieselben,wenn auch nicht ganz aufzuheben, Voch zu mildern'). Ferner erklärteR. Juda, daß das Gebiet einiger Grenzstädte, die bisher als TheileJndäa's gegolten hatten, fernerhin nicht mehr die Heiligkeit desjüdischen Bodens genießen sollte. Es war dieses in so fern eineErleichterung, weil es dadurch von Zehnten und ohne Zweifel auchvon den Erlaßgesetzeu befreit wnrde. Es betraf die Städte Betsan(Scythopolis), Kephar-Zemach (Samega) am Jordan, Cäsarea amMeere und Bet Guberin (Bet Gabara, Eleutheropolis) im Südens,die meistens von Griechen und Römern bewohnt waren, und auch vonjeher nicht immer unter jüdischer Botmäßigkeit gestanden hatten.Seine eigenen Verwandten verargten dem Patriarchen diese Erleich-terung, worauf er entgegnete: „Diese That haben unsere Vorfahrenmir überlassen" ^). Er war sogar im Begriffe, die Gesetze des Erlaß-jahres überhaupt anfzuheben, doch wollte er einen so auffallendenSchritt nicht ohne Berathung mit den Personen thu», welche Bedenkendagegen haben könnten. R. Pinchas b. Jair galt damals als der In-begriff scrupnlöser Frömmigkeit. Er war ein Schwiegersohn R. Simonsb. Jochai, hatte eine düstere Gemüthsart, die von keinem Instituteirgend ein Heil erwartete und pflegte zu klagen: „Seit der Tempel-zerstörung sind die Genossen und die Freien beschämt, die Gesetzes-übenden in der Irre, Gewalt und Angeberei siegen, und Niemandnimmt sich der Verlassenheit an, wir können nur von Gott etwashoffen" 4). Besonders hielt R. Piuchas streng auf die gesetzlichenVorschriften des Zehnten und nahm deswegen nie eine Einladung beiirgend Einem an. Die Sage schmückt seine Strenge in Bezug auf dieZehntengesehe aus und erzählt: sein Esel selbst sei so gewöhnt gewesen,nur verzehntetes Futter zu genießen, daß er einst beinahe verhungerte,als man ihm Unverzehntetes vorgeworfen habe, von dem er nichtsberühren mochte"). Diesen R. Pinchas zog R. Inda zu Rathe, umdas Erlaßjahr anfzuheben; vermuthlich machte ein Nothjahr diejeMaßregel nothwendig. Der Patriarch fragte ihn: „Wie wird esmit dem Getreide stehen?" Verweisend antwortete R. Pinchas: „dieEndivienkräuter sind ja gut gerathcn," d. h. man müsse sich mitKräutern begnügen, um nicht das Gesetz aufzuheben. R. Juda gab
') ckerns. 8ollsbiit VI. x. 37. n.
°) cksrns. Osinni II. p. 22. o. Ueber die Lage von Hst- tlnbriu sieheRobinsons Palästina II. 672 ff.
2) Obnlin 6. l>. ') 8ota. 49. n.
°) 6l>nlin 7. a. b. .Isrus. vsmni I. p. 22 n.