R. Juda I.
197
Vater und Großvater vergebens gerungen hatten, fiel ihm so zu sagenin den Schooß. Es gab zu seiner Zeit keinen StellvertreterVst-Vür), keinen öffentlichen Sprecher (LLaoüam) mehr. R. Juda,der Fürst (Im ibsassi), war allein Alles in Allem. Das Synhedrinhatte sich selbst seiner Autorität begeben und führte von der Zeit annur noch ein Scheinleben fort; der Patriarch entschied fortan Alles.Infolge des hohen Ansehens nannte man ihn schlechtweg Rabbi, alswenn neben ihm kein Gesetzeslehrer Bedeutung gehabt hätte, und erder Inbegriff der Lehre gewesen wäre. Bald erhöhte R. Inda nochseine Machtbefugnis; durch eine Bestimmung, daß auch der Fähigstenicht berechtigt sei, irgend welche religiöse Entscheidung zu treffen, wenner nicht von ihm dazu ausdrücklich antorisirt worden ist*).
Welche Wichtigkeit dieser Akt hatte, zeigte sich an dem Umstande,daß die Gemeinden in und außerhalb Judäas sich direkt mit demPatriarchen in Verbindung setzen mußten, um sich von ihm Beamte,Richter und Lehrer empfehlen zu lassen. Die Gemeinde zu Simonias,südlich von Sepphoris, erbat sich von dem Patriarchen einen Mann,der für sie öffentliche Vorträge halten, Rechtssachen entscheiden, dieAufsicht über die Synagoge führen, beglaubigte Schriftstücke anfertigen,die Jugend unterrichten und überhaupt alle Gemeindebedürfnisse ver-sorgen sollte. Er empfahl ihr seinen besten Schüler Levi bar Ssißi^).Man erfährt aus diesem Beispiele, welche Anforderungen damals aneinen Volkslehrer gestellt wurden. Ein anderer Jünger R. Juda's,mit Namen Rabba bar Chana aus Kafri in Babylonien, welcherfür seine Heimath eine öffentliche Funktion nachsnchen wollte, mußtesich die Befugniß, Religionsfragen zu entscheiden und Recht zu sprechen,vom Patriarchen ertheilen lassen ^). Ebenso erlangte ein dritter seinerJünger, Abba Areka, ebenfalls ein Babylonier, welcher später eineHauptautorität in den babylonischen Gemeinden wurde, diesen Ein-fluß lediglich durch die Ernennung R. Juda's Nur eine einzigeWürde, die des Exilsfürsten in Babylonien, war dem Patriarchatebenbürtig, auf welche R. Juda um so eifersüchtiger war, als sie vonden parthischen Machthabern übertragen und unterstützt wurde,während die seinige von den römischen Herrschern höchstens ge-duldet war.
Mit dieser Alleinherrschaft bekleidet, führte R. Juda eine unge-wöhnliche Strenge gegen seine Jünger ein und zeigte gegen dieselbeneine so reizbare Empfindlichkeit, daß er ihnen nicht einmal im Scherze
9 Lzmbsärin 5. b. üsrns. Lobsbür VI. 1 >. 36. o.
2) cksrus. .Isbamot Xll, x. 12 a. auch in anderen Stellen.
2) Lxnbsärln 5. a. st Daselbst und Note 1.