Elftes Kapitel.
Thätigkeit des dritten Tanaiten-Geschlechtes. Gegen-Synhedrin in BabylonienSpaltung sim Synhedrin zu Uscha. Neue Verfolgungen unter denKaisern Antoninus Pius und Aurelius Verus. Dis jüdische Gesandt-schaft in Rom. Tod des Patriarchen R. Simon.
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Während die Gesctzeslehrer in Judäa bestrebt waren, das inStockung geratene Blut der Nationalität wieder flüssig zu machenund in Umlauf zu setzen, das aufgelöste Synhedrin wieder her-zustellcn, den Traditionsstoff durch Anlegung faßlicher Sammlungenzu sichern und zu verbreiten, fehlte nicht viel dazu, daß sich diebabylonischen Gemeinden von dem Gesammtkvrper losgetrennt undeine tief eingreifende Spaltung erzeugt hätten. Die Klugheit desPatriarchen R. Simon hat diesem Risse durch geschickte Unterhand-lungen zu begegnen gewußt. —- R. Ch anina, welchen sein OheimR. Josna nach Babylonien geschickt hatte, um ihn dem christlichenEinflüsse zu entziehen, hatte während des hoffnungslosen Zustandesin Judäa dem Judenthum einen Mittelpunkt in Babylonien gründenwollen. In Nahar-Pakod, wahrscheinlich in der Nähe Nahardeas,organisirte er eine Art Synhedrin, dessen Vorsitzender er selbst war;ein gewisser Nechunjan (nach einer andern Lesart Achija) scheintdie Stelle des Ab-bet-din eingenommen zu haben. Die baby-lonischen Gemeinden, bisher auf die Verordnungen ans Judäa an-gewiesen und durch den Untergang aller religiösen Institutionenim Stammlande rathlos gelassen, begrüßten ein Synhedrin inihrer Mitte als eine freudige 'Erscheinung, und nahmen dessen Be-schlüsse und Anordnungen entgegenkommend an. Sofort ordneteR. Chanina Schaltjahre und Festfeier nach denselben Grundsätzenan, wie es in Judäa üblich war. Allein, sobald sich der Ge-richtshof in Uscha wieder organisirt hatte, konnte er eine Behördenicht bestehen lassen, welche die Einheit des Jndenthums anfhob,und es in ein morgenländisches und abendländisches zu spalten