Das Collegium nach dem Betarschcn Kriege. 173
Die Mitglieder dieses Tanalten-Kreises setzten das Werk ihrerVorgänger mit eben so viel Aufopferung fort, die zerrissene Traditions-kette wieder zusammen zu knüpfen; doch war ihre Zahl weder so groß,noch ihre Geistesthätigkeit so bedeutend, wie die des vorangegangenenGeschlechtes. Die bedeutendsten derselben, welche tiefer in die Verhält-nisse eingegriffen haben, waren R. Simon, Sohn des PatriarchenGamaliel, R. Nathan, der Babylonier, R. Meir und R. Simonb. Jochai. Der Erste war, wie erzählt wird, dem Blntbade in Bethar,sowie der nachher über ihn verhängten Verfolgung auf eine außer-ordentliche Weise entgangen. Der Quästor, welcher den Auftrag vonRufus hatte, ihn gefänglich einzuziehen, ließ ihm einen Wink über dieihm drohende Gefahr zukommen, worauf sich R. Simon auf die Fluchtbegab st und wahrscheinlich in Babylonien Schutz fand. Das Collegiumwurde vervollständigt durch R. Nathan als Stellvertreter und R. Meir,die bedeutendste Persönlichkeit, als Sprecher. Durch eine beabsichtigteAufhebung der Gleichheit, welche bisher unter den Hauptgliedern desCollegiums geherrscht hatte, hätte sich der Patriarch beinahe dasSchicksal seines Vaters zugezogen. — Von seinen Verhältnissen zurTraditionslehre ist nur so viel bekannt, daß er lediglich allgemein an-erkannte Halachas lehrte, welche im Collegium festgestellt waren, diestreitigen hingegen ließ er auf sich beruhen st. In streitigen Rechts-sällen räumte er dem Herkommen istlinImA meckinali, Ililobotli msäinab,Usus) die endgültige Entscheidung ein, gegen welche theoretische Er-örterungen kein Gewicht haben sollten st. Durch die zahlreichen Gesetzes-lehrer der vorangegangenen Zeit hatte sich nämlich in dem Umkreiseihrer Wirksamkeit ein eigener Brauch, getragen von einer Autorität,ins Volk hineingelebt, welchen R. Simon gewahrt wissen wollte. DemAkte eines Gerichtshofes sollte nach seiner Ansicht auch im Falle, wennein Jrrthnm vorgefallen wäre, unumstößliche Gültigkeit eingeränmtwerden, sonst würde, wie es R. Simon motivirte, das Ansehen des-selben leidendst. Seine erhabene Gesinnung bekundete R. Simon durchden schönen Spruch: „Auf drei Verhältnissen beruht der Bestand derder Welt: auf Wahrheit, Recht und Frieden"").
Die originellste Persönlichkeit dieses Zeitalters war unstreitigR. Meir, dessen Geistesflug, Gesinnungstüchtigkeit und Kenntnisse anseinen Lehrer R. Akiba erinnern. Sein eigentlicher, aber vergessener
st Siehe Note 18.
st ,7sros. Lnb», llntrn Ende.
st Lstmdot 66. b. Dadn UsUrr 93. n. Vergl. über ihn den eingehendenArtikel in Xrnnlrol, Dorbs ^Ii8obnn p. 178 kA.
st Xetnbot 99. b. st Xbot I. 18.