168
Geschichte der Juden.
freit wird. Seine Eltern, Anfangs wegen seines längern Außen-bleibens untröstlich, erhalten zugleich Sohn und Tochter. Ans RathRaphaels gießt Tobias die Galle des Fisches in des Vaters Auge,und dieser erhält sein Gesicht wieder. Wohlstand und Freude kehrendamit in Tobit's Hans wieder ein. Der Engel Raphael, einer dersieben, welche das Gebet der Frommen vor Gott bringen, offenbartsich ihm schließlich in seiner wahren Gestalt und erklärt ihm, dieWendung seines Geschickes sei wegen seiner Mildthätigkeit eingetreten,und besonders weil er die Todten bestattet habe'). Er befiehlt ihmauch, diese Geschichte zur Erinnerung und Belehrung niederzuschreiben.Das Buch Tobit schließt mit der Hoffnung: also wenn auch Jeru-salem eine Wüste, das Heiligthnm verbrannt und das Volk Israelzerstreut sein wird, wird Gott sich ihrer wieder erbarmen, wird seinLieblingsvolk nicht verlassen, es aus der Gefangenschaft heimführen,Jerusalem in blendender Pracht wieder erbauen und sein Heiligthummit Ruhm bedecken, so daß alle Völker Ihn erkennen und lobenwerden 2). Das Buch Tobit, ein Schmerzenskind drangsalvoller Zeitgleich dem Buche Judith, wollte wie dieses zugleich eine Ermahnungan das jüdische Volk richten und Trost in die wunden Gemütherträufeln.
Auch die Judenchristen, welche sich während des Krieges meistensjenseits des Jordans in den Städten der sogenannten Decapolisaufgehalten hatten, blieben von den Nachwehen des Bar-KochbaischenAufstandes nicht unberührt, sie wurden für sie sogar ein entschei-dender Wendepunkt. Der unglückliche Ansgang des Krieges mitseinen traurigen Folgen erschreckte sie eben so sehr, als er ihnenSchadenfreude verursachte. In dem Ereignisse, daß der capitolinischeJupiter die heilige Tempelstätte einnahm — in der biblischen Sprech-weise „der Gräuel der Verwüstung" genannt — erblickten sie dasZeichen des jüngsten Gerichtes, des Wettendes und des Wieder-erscheinens Jesu in den Wolken. Die harte hadrianische Verfolgungtraf auch die Judenchristen, vielleicht auch sämmtliche Christen, wie-wohl sie sich von der jüdischen Gemeinschaft gesondert hatten, weildie römischen Behörden den dogmatischen Unterschied zwischen Judenund Christen nicht berücksichtigten. Die Evangelien schildern in düsternFarben den ganzen Schrecken der Verfolgung, von der auch die Christ-gläubigen heimgesucht waren. „Wenn ihr nun sehen werdet den„Gräuel der Verwüstung (davon geweissagt der Prophet Daniel) stehen,„wo er nicht soll, alsdann wer in Judäa ist, fliehe auf die Berge.
si Das. 12. 12. 2 ) zwei Kapitel.