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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Die zehn Märtyrer.

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Es gab aber unverwüstliche Friedensfreunde, welche sogar inBezug ans diese höchst gefährdenden Dekrete zur Nachgiebigkeit riethen.R. Joss b. Kisma gehörte zu jener Klasse, welche, die Geduld alsdie höchste Tugend verehrend, mit kluger Mäßigung und Unter-

würfigkeit weiter zu kommen hoffte, als mit kühnem Widerstand undrücksichtsloser Aufopferung. Einst traf er R. Ehaninah b. Teradion,welcher zu denen gehörte, die das Lebe» für die Lehre zu lassen

entschlossen waren, wie derselbe, eine Thorarolle auf dem Schooße,seine Schüler belehrte. Warnend sprach R. Joss:Siehst du nicht,mein Bruder, daß der Himmel selbst dem römischen Reiche günstigist! Er hat den Tempel zerstört, die Frommen niedergemetzelt, dieBesten vernichtet, und hat doch Bestand! Wie wagst du es, denVerordnungen zuwider, das Gesetz zu lehren? Es sollte mich nichtwundern, wenn sie dich sammt dem heiligen Buche zum Feuer ver-urtheilen!" Dafür aber stand R. Joss an dem kleinen Hofe desStatthalters von Judäa in hoher Gunst; als er starb, folgten Per-sonen von höchstem Range seiner Leiche >). Ihm ähnlich war

R. Eleasar b. Parta. Als ihn der Richter zu Verhör nahm,

warum er das Gesetz gelehrt, leugnete er die Thatsache rund ab, umnicht der Todesstrafe zu verfallen ^1. Die meisten Tanaiten aberwaren anderer Ansicht und entschlossen, lieber den Tod zu erleiden,als die Lehrversammlungen einzustellen; sie schlugen die Beschäftigungmit der Lehre noch höher an, als die Ausübung religiöser Vorschriften.Ein förmlicher Beschluß in dem Söller zu Lydda scheint auch darüberzu Stande gekommen zu sein, daß das Lehren bei weitem wichtigersei, als das bloße Neben des Gesetzes ^s. Wegen gezwungener Unter-lassung der Religionspflichten hatten die Gesetzeslehrer selbst dasBeispiel gegeben, sich für den Augenblick zu füge» und sich nicht demTode auszusctzen; wegen Erhaltung der Lehre hingegen drängten siesich fast zum Märtyrerthume, als wenn in diesem Punkte dasAllerheiligste des Judenthums sich concentrirte, welches man mit demLeben vertheidigen müßte.

Eine alte Nachricht erzählt von zehn Märtyrern, welche für dasGesetzesstudinm geblutet Habens. Jedoch sind nur von sieben derselbendie Namen bekannt geworden, in Bezug auf die übrigen hingegen sinddie Nachrichten schwankend und unzuverlässig. Zuerst wurde hin-gerichtet R. Jsmael, Sohn des Hohenpriesters Elisa, der Begründerder dreizehn Auslegungsregeln, mit einem R. Simon, deren cs mehrere

') Lwoäa Lara 18. a. ?) Das. 17 7 ,. 3 ) Siehe Note 17.y Wäraaob Nbreni zu 2 . 2 . und zu den Sprüchen I. V. 13.Graetz, Geschichte der Juden. IV. I I