Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162

Geschichte der Juden.

in diesem Kreise gegeben *). Für Andere wollte er das Märtyrerthumnicht dekretirt wissen, für sich selbst übernahm er es dagegen freudig.In der letzten Stunde suchten Beide einander zu trösten und den Zweifelan der Gerechtigkeit Gottes zu bekämpfen. Das Haupt R. Jsmaels,dessen Schönheit gerühmt wird, soll nach Rom geschickt worden seines,und die Sage fügt hinzu, weil eine Kaiserstochter darnach verlangthabe. R. Akiba hielt Beiden eine Gedächtnißrede, worin er hervor-hob, daß R. Jsmael und R. Simon, die sündenfreien, lediglich alsVorbilder durch die Hand des Henkers gefallen seien und schloß, seineSchüler ermnthigend, mit den Worten:Bereitet euch zum Tode vor,denn schreckliche Tage werden über uns Hereinbrechen." Der Grundder Anklage und der Verurtheilnng ist nicht bekannt worden.

Bald kam die Reihe an den greisen R. Akiba, weil er im GeheimenLehrvorträge gehalten hatte; er wurde, laut dem Kalender der Unglücks-tage, am fünften Tischri in einen Kerker geworfen^). Vergebens hatteihn Pappos b. Inda, einer der Friedfertigen, welche zur Nach-giebigkeit um jeden Preis gerathen hatten, nachdrücklich gewarnt, dieZusammenkünfte mit seinen Jüngern einznstellen, weil der lauerndeBlick der Aufpasser die geheimsten Winkel dnrchdringe. R- Akiba hatteihm durch eine Fabel bewiesen, wie die Furcht vor dem Tode ebensovergeblich, wie sündhaft sei:Ein Fuchs, welcher die Fische am Uferunruhig hernmschwimmen sah, weil man ihnen mit Netzen nachstellte,rieth ihnen, sich aufs Land zu begeben, um bei ihm sicher zu wohnen.Aber die Fische, den Rath verschmähend, erwiderten darauf:Wennwir in unserem eigenen Elemente nicht sicher sind, um wie viel wenigerwären wir es, wenn wir uns daraus entfernten." Davon machteR. Akiba die Anwendung auf die damalige Lage:Unser Lebens-elcment ist die Lehre, geben wir sie auf, dann haben wir sicherlichnoch mehr zu fürchten." Der Zufall brachte ihn aber im Kerker mitdem Warner Pappos zusammen, welcher es renmüthig gegen R. Akibabeklagte, daß er wegen eitlen und weltlichen Thuns verurtheilt wordensei, und daher nicht das tröstende Bewußtsein habe, für eine großeSache zu sterben^). Rufus, Statthalter und Blntrichter, welcher inR. Akiba das Oberhaupt »nd die Autorität erkannte, verfuhr gegenihn mit noch größerer Strenge als gegen die Uebrigen. Er behielt ihnlange im Gesängniß und ließ es so sorgfältig bemachen, daß Niemand

1) Keineswegs sin Patriarch Simon b. Gamaliel s. Frankens Monatschrift1852. S. 315 fg.

2) eirnlin 123 a,

°) Uataebot Ueäolot, U. Laanijot Ende.

ch Leraebot. 6>. a.