Geschichte der Juden.
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hier dem Tode auszuweichen, dort aber auch ihrem Gewissen zugenügen. Die Seelenmarter, die sie täglich und stündlich erlitten,inachte sie erfinderisch, allerlei Auswege zu erdenken. Ilm das Gesetzzu lesen, stieg man ans entfernte Dächer, sich den lauernden Blickender Späher zu entziehen. R. Akiba selbst, als er einst von seinenJüngern umgeben einen römischen Aufpasser bemerkte, winkte ihnen,das SchemLH-Gebet ganz leise und kaum vernehmlich zu sprechen.Denn die römischen Behörden machten mit der Ausführung der Ver-folgungsdekrete bittern Ernst. Jeder, der ans frischer That ertapptoder verrathen wurde, einen religiösen Akt ausgeübt zu haben, wurdeje nach der augenblicklichen Stimmung des Richters zu Geld- oderLeibesstrafe oder gar zum Tode vernrtheilt- Ein römischer Aufseher(Hnassitor), der einen gewissen Artaban dabei überraschte, wie er diemit Bibelversen beschriebenen Pergamentstreifen an den Thürkapselnuntersuchte, zwang ihn, für dieses Vergehen 1000 Denare zu erlegen').Einem gewissen Elisa, der vermnthlich noch zu den Resten des Essener-bundes gehörte, sollte der Hirnschädel eingestoßen werden, weil erGebetriemen (Phylakierien, Tcfillin) angelegt hatte. Selbst dasTragen der eigenen jüdischen Tracht konnte gefährden. Zwei SchülerR. Josua's hatten daher ihre jüdische Kleidung mit der landesüblichenvertauscht; als man sie darüber znr Rede stellte, rechtfertigten sie ihreNachgiebigkeit mit den Worten: „sich den kaiserlichen Befehlen wider-setzen, hieße einen Selbstmord begehen" ^). R. Jsmael schilderte diesetrostlose Zeit, in welcher bei jedem Schritte Marter und Tod lauertenmit ergreifenden Worten: „Seitdem das sündhafte Rom harte Gesetzeüber uns verhängt und uns stört, die religiösen Pflichten zu erfüllen,und besonders die Beschneidung anszuüben, sollten wir eigentlich unsEnthaltsamkeit anflegen, nicht zu heirathen, um keine Kinder zuzeugen; allein dann würde das Geschlecht Abrahams erlöschen. Soist es besser, zeitweise die Religionsgesetze zu übertreten, als Er-schwerungen einznführen, welche das Volk doch nicht beobachten kann").
Doch gab es auch Manche, deren Gewissen sich bei der aus-gedehnten Freiheit, welche der lyddensische Beschluß gewährte, den Noth-behelfen und Umgehungen, welche Andere erkünstelten, nicht beruhigenkonnte. Sie beobachteten die religiösen Vorschriften mit aller Strenge,auf die Gefahr hin dem Märtyrerthum zu verfallen. Ein jüngererZeitgenosse dieser traurigen Zeit veranschaulicht in einer fast drama-tischen Darstellung die Schonungslosigkeit der römischen Behörden,
st ckoina t l. a. 'st Ksnesis Nabba o 82.
st Uaba Latra 6t1. b.