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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

genommen hätten, wiewohl in einem so heftigen Prineipienkriege diefcinotisirten Massen nnr allzu geneigt zur Grausamkeit sind. Vielleichtmochten die jüdischen Krieger aus Rücksicht ans die Heiden, welche sichihren Reihen angeschlossen hatten, gegen die gefangenen RömerSchonung geübt haben. Nur gegen die Jndenchristen, welche in Judäalebten, verfuhr Bar-Kochba feindselig, da gegen sie im Herzen derInden ein vielleicht noch größerer Ingrimm sich angesammelt hatte,als gegen die Römer, weil man sie als Abtrünnige und als Angeberund Spione betrachtete. Dieser Haß gegen die Judenchristen steigertesich, als sie sich hartnäckig weigerten, an dem Nationalkriege Theilzu nehmen, und die einzigen müßigen Zuschauer dieses furchtbarenDramas blieben. Eine der ältesten christlichen Quellen erzählt, Bar-Kochba habe die Christen anfgefordert, Jesus zu verleugnen und sichan dem Kampfe gegen die Römer zu betheiligen, und diejenigen,welche solches verweigerten, seien mit harter Strafe belegt worden*).Diese Strafe war nichts anderes, als Geißelung, welche die jüdischenGerichtshöfe (Synhedria) über sie als Gesetzesübertreter verhängt habenmochten.

In dem wiederhergestellten Staate, wo sämmtliche Gesetze wiederin Kraft treten konnten, hielten sich die jüdischen Behörden für berech-tigt, diejenigen ihrer Stammgenossen vor ihren Richterstuhl zu ziehen,welche dem Gesetze nicht nur Gehorsam versagten, sondern es nochdazu höhnten. Es wird nirgends erzählt, daß die Christen gezwungenworden wären, Bar-Kochba als einen neuen Christus anzuerkennenund an ihn zu glauben. Solcher Gewissenszwang scheint dem neuenjüdischen Staate fern geblieben zu sein. Spätere christliche Chronikenhaben in ihrer Weise die ' einfache Strafe der Geißelung, welcherdie Jndenchristen unterworfen wurden, vielfach vergrößert und darauseine förmliche Christcnverfolgung, in Begleitung von Tod undMärtyrerthnm gemacht, dem aber jeder geschichtliche Anhalt fehlt'*).Die Evangelien, welche von dem Auftreten Bar-Kochba's, den Kriegs-bewegungen und allen Erscheinungen jener Zeit in einer verhüllten,aber doch hinlänglich erkennbaren Weise sprechen, geben allein dasVerhalten des jüdischen Staates zu den Christen richtig an. Siescheinen anzudenten, daß im Schoße der Christengemeinde selbst Un-einigkeit geherrscht, indem einige derselben für die Sache der Freiheitentflammt waren und ihre lauen Glaubensbrüdcr in übergroßem Eiferden jüdischen Gerichten überantwortet haben. Diese evangelischen An-deutungen legen Jesus eine Prophezeiung in den Mund, als wenn

') Siehe Note 15. Siehe Note 15.