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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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R. Josua und Kaiser Hadrian.

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schönste Hoffnung gebracht hatte. Die gegenseitige Antipathie zeigtesich bei Hadrians Besuch oder Durchreise in Judäa. Dieser Kaiserhat nämlich ans Eitelkeit, um mit Recht Vater des Vaterlandes ge-nannt zu werden und ans innerer Unruhe und müßiger Geschäftig-keit, die ihn stets von einem Orte zum andern trieben, fast sämmtlicheProvinzen des großen römischen Reiches besucht, hat Alles mit eigenenAugen sehen wollen, sich mit seiner kleinlichen Neugierde um Allesgekümmert und mit Weisen sowie mit Männern von Geist aller Na-tionen Gespräche angeknüpft. Hadrian war ein Schöngeist, besaß auchdie Eitelkeit, sich für einen Philosophen zu halten, und gefiel sichdarin. Alles besser als andere wissen zu wollen. Ob er die Stimmungder Provinzen richtig beurtheilt hat? Ueber die der Inden hat sichder schnellurteilende Kaiser entschieden getäuscht. Bei seiner Anwesen-heit in Judäa (Sommer 130 ') waren ihm gewiß alle diejenigen inUnterthänigkeit und speichelleckerischer Kriecherei entgegengekommen,um ihn als Halbgott oder gar Vollgott zu begrüßen, welche mehroder weniger die Urbevölkerung, die Inden, haßten und zu demüthigentrachteten: die Römer, die entarteten Griechen oder vielmehr die Misch-linge von Hellenen und Syrern, Wohl auch die Samaritaner undChristen. Vielleicht war kein Land damals so wie das winzigePalästina von Racen und Religionsparteinng zerklüftet. Ein Panto-mimisches Gespräch, welches in Gegenwart Hadrians zwischen einemChristen und dem Vertreter der Jndcnheit R. Josua b. Chananiastattfand, giebt die gegenseitige Haltung bezeichnend wieder. DerErstere zeigte durch eine Geberde, daß der Gott Israels sein Antlitzvon den Inden abgewcndet; der Letztere bezeichnete durch die Arm-bewegnng: Gott halte noch seine Hand schirmend über Israel, undHadrian soll sich diese Pantomime haben erklären lassen. Mit R. Josuascheint er vielfache Unterredungen gehabt zu haben. Es werdenmehrere Gespräche zwischen Hadrian und diesem tanaitischen Weisenüberliefert, eines unter diesen hat Glaubwürdigkeit für sich. Er fragteihn:Wenn Ihr so weise seid, als Ihr behauptet, so saget mir doch,was ich diese Nacht im Traume sehen werde?" R. Josua antwortete:Du wirst träumen, daß die Perser (Partherj dich knechten undzwingen werden, niedrige Thiere mit einem goldenen Seepter zuhüten." Das Beispiel war recht gut gewählt, um auf den abergläu-bischen Kaiser Eindruck zu machen; denn er fürchtete kein Volk so sehrals die Parther und that alles Mögliche, um sie in friedlicher Stim-mung zu erhalten. Hadrian soll in der That dieselbe Nacht einen

') Note 24.