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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Inden.

ähnlichen Traum gehabt haben. R. Josna war aber nicht der Mann,ihm die Erbitterung, welche gegen ihn unter der jüdischen Be-völkerung herrschte, zu offenbaren; dazu war er von zu sanfter unddemüthiger Art.

Hadrian glaubte von Judäa keine Feindseligkeit befürcbten zumüssen. Er berichtete auch diese Vorgefundene friedliche Stimmung anden römischen Senat, und dieser verewigte dessen Leichtgläubigkeitdurch verschiedene Denkmünzen, worauf der Kaiser in der Toga ab-gebildct ist, vor ihm das knicende Judäa, das der Kaiser aus dieserniedrigen Stellung zu erheben sucht; drei Knaben (wohl die drei Land-schaften Judäa, Samaria, Galiläa) reichen ihm Palmenzweige. Auseiner anderen Denkmünze wird Judäa mit dem Kaiser zugleich opfernddargcstellt. Er war also der Erwartung, daß die Stammes- undReligionsnnterschiede binnen kurzem verwischt und die Bewohner mitden Römern bis zur Unkenntlichkeit verschmolzen sein würden. Umdiese Verschmelzung herbeizuführen, entwarf er einen Plan, der nichtunüberlegter gefaßt werden konnte. Jerusalem sollte wieder aufgebaut,aber in eine vollständig heidnische Stadt umgewaudelt, auch ein Tempelsollte errichtet werden, aber ebenfalls einen heidnischen Charakter er-halten. Das neue Heiligthum sollte dem capitolinischen Jupiter ge-weiht werden und die Stadt seinen Namen führen: Aelia Capito-lina^). Während er nach Aegypten reiste, um dort allerlei Thor-heiten zu begehen, wurde die Umwandlung und Entweihung derheiligen Stadt vorgenommen. Die Juden blieben natürlich nichtstumpfe Zuschauer bei dieser ihnen zugedachten Entfremdung, welchesie als Bolksstamm und Religionsgenoffenschaft aus dem Buche derLebenden streichen sollte. Es entstand eine düstere Gährung in denGemütheru. R. Josna scheint es abermals versucht zu haben, eineVermittelung und Aussöhnung herbeizuführen, den unbedachten Plandes Kaisers rückgängig zu machen und den Unwillen des Volkes zustillen. Er reiste, ein betagter Greis, nach Aegypten, um den Kaiserauf bessere Gedanken zu bringen. Aber dieser scheint für vernünftigeVorstellung unzugänglich gewesen zu sein. Er hatte nur Spott gegendie jüdische, samaritanische und christliche Religion, die er genügendkennen gelernt zu haben glaubte: daß zwischen ihnen und dem ägyp-tischen Kultus nur ein geringer Unterschied herrsche. Seinem Schwagerschrieb er in dieser Zeit:Kein Syuagogenvorstcher (Rabbiner) der

Inden, kein Samaritaner, kein christlicher Priester verehrt etwasanderes als den Serapis. Selbst jener Patriarch, welcher nach

') S. über Alles Note 24.