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Geschichte der Juden.
Samaritaner auf diesen Gedanken gekommen sein. Genug, Hadrian,der nicht wagte, sein Wort ganz zurückzunehmen, mäkelte daran. Ersoll nämlich, wie die Quelle erzählt, den Juden zu verstehen gegebenhaben, daß sie den Tempel auf einer anderen Stelle, nur nicht auf denTrümmern der alten Stätte erbauen, oder daß sie ihn in einem kleinerenMaßstabe anlegen sollten. Die Juden, welche diese Ausflucht ver-standen und darin ein Ziirücknehmen des kaiserlichen Versprechens er-blickten, waren nicht gesonnen, mit sich spielen zu lassen. Bei derNachricht davon bewaffneten sich Viele wieder und kamen abermals imThale Rimmon in der Ebene Jesreel zusammen. Als man dasSchreiben vorlas, brachen die Volksmassen in Thränen aus. EinAufstand und ein erbitterter Krieg, wie er später zum Ausbruch kam,schien unvermeidlich. Doch gab es auch Friedlichgesinnte unter demVolke, welche das Gefährliche eines Aufstandes unter den damaligenUmständen erkannt haben mochten. An der Spitze der Friedensparteistand R. Josna. Er war nicht von blinden Vorurtheilen gegen dieHeidenwelt eingenommen, wie die meisten seiner jüdischen Zeitgenossen,er sprach ihnen nicht alle Tugenden und allen Werth in Gottes Augenab, wie es auch Christen thaten. Im Gegentheil behauptete R. Josna:Die Frommen und Sittlicben aller Völker haben Antheil am zukünf-tigen Leben der Seligkeit zu erwarten'). Ihn rief man schnell herbei,damit er durch sein Ansehen und seine Beredsamkeit die aufgeregte,kriegslustige Menge beschwichtigen sollte. R. Josna sprach zum Volkein derjenigen Form, welche sich stets zur Umstimmung von Volksmassenbewährt und wirksam zeigte; er trug eine Fabel vor und zog darausdie Nutzanwendung für die damalige Lage. „Ein Löwe hatte sicheinst an seiner Beute gesättigt, aber ein Knochen blieb ihm davon imHalse stecken. In der Angst versprach er demjenigen eine große Be-lohnung zu geben, der ihm den Knochen herauszichen würde. EinKranich mit langem Halse stellte sich dazu ein, vollzog seine Operationund verlangte zuletzt seinen Lohn. Der Löwe aber sprach spöttisch:„Sei froh, daß du deinen Kopf unversehrt aus des Löwen Rachengezogen hast." „Ebenso," fuhr R. Josna fort, „sollten wir frohsein, daß wir mit heiler Haut aus des Römers Hand davon kamen,nnd nicht so ungestüm auf der Erfüllung seines Versprechens bestehen."Durch diese und ähnliche Worte hielt er das Volk für den Augenblickvon einem Aufruhr zurück^). Doch ging das Volk mit dem Gedankenan einen Aufstand auseinander, und es rüstete sich dazu mit einerZähigkeit, welche eines bessern Ausgangs würdig war.
>) S. Note 6. 2 ) Nenggig liLbba in Note 14.