Hoffnung ans Wiederherstellung des Tempels. l29
des Tempels hätte ihre Berechnung und Hoffnung zu Schanden ge-macht. „Siche," sprachen die Judenchristen, „diejenigen, welche diesenTempel zerstört haben, werden ihn erbauen. Mag's geschehen.Durch ihre (der Juden) Kriege wurde er von den Feinden zerstört;jetzt werden ihn die Diener der Feinde wieder errichten. Indessennur damit die heilige Stadt, der Tempel und das Volk Israel wiederüberliefert werden"';. Zwei erbitterte Volksklassen hatten die JudenJudäas, welche die Restauration mit scheelen Augen sahen: die Judcn-christen und die Samaritaner. Beide haben es vermuthlich nicht anAnstrengung fehlen lassen, sie zu Hintertreiben.
Die Begünstigungen, welche Hadrian den Juden gewährte, lagenim Interesse seiner kriegsschenen Politik. Durch die Befriedigungihrer Wünsche entwaffnet? er nicht nur die zum Kriege Gerüsteten,sondern machte sie zu Verbündeten, auf deren Treue er für den Fallrechnen konnte, wenn die Parther, wie zu befürchten stand, angriffs-weise ins römische Gebiet einfallen sollten. Mit dem Wiederaufbaudes Tempels machten die Juden vollen Ernst. Jnlianus und Pappos,die Leiter des Aufstandes, welche eben erst durch Hadrians Dazwischeu-kunft dem Tode entgangen waren, nahmen sich dieser Angelegenheitmit Eifer an. Sie stellten Wechseltische in Galiläa und Syrien, vonAcco bis Antiochien auf, um die ausländischen Münzen, welche zumTempelbau von den auswärtigen Juden einliefen, gegen inländischeund gangbare zu wechseln^). Die Inden aller Länder scheinen sichnach dieser Nachricht an dem Nationalwerke betheiligt zu haben.
Indessen erschienen bald die großen Erwartungen, welche mansich von der Wiederherstellung des Tempels gemacht hatte, als einsüßer Traum, der vor der rauhen Wirklichkeit erblaßt. Denn kaumhatte Hadrian in seinem Reiche festen Fuß gefaßt und die unruhigenVölker beschwichtigt, als er nach Art schwacher Fürsten seine Ver-heißungen zu schmälern und zu deuteln begann. Eine Nachricht er-zählt, daß die Samaritaner, neidisch darauf, daß der Tempel zuJerusalem, ihr ewiger Anstoß, sich wieder aus dem Schutte erhebensollte, sich bemühten, dem Kaiser das Gefährliche einer solchen Wieder-herstellung begreiflich zu machen. Wie ihre Vorfahren ehemals denpersischen Machthabern, so sollen sie jetzt dem römischen Imperatorbewiesen haben, daß der Ban eines Tempels zum Hintergedankeneinen vollständigen Abfall von Rom habe, daß also das Mittel zurVermeidung des Abfalles gerade dazu führen würde. Indessen mochtenHadrian oder seine Beamten in Judäa auch ohne Eingebung der
st Note 14. st boussio Itabbo, s. dieselbe Note.Graetz, Geschichte der Juden. IV.
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