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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

Olophernes die Thore zu öffueu. Ju dieser allgemeinen Mut-losigkeit und der voraussichtlichen Gefahr erhebt sich aus dunklemHintergründe die Heldin, die schöne, gottesfürchtige und mnthigeJudith (das Judenthuni in verklärter Persönlichkeit). Judith istseit einigen Jahren Wittwe, lebt seit dem Tode ihres Gatten Manassezurückgezogen und in Tranergewändern, und obwohl reich, fastet siealle Tage mit Ausnahme der Sabbate, Feiertage, der Rttsttage undder Freudentage (Gedenktage) des Hauses Israel Z. Sie ist über denBeschluß, die Stadt binnen Kurzem zu übergeben, tief betrübt, läßtdas Oberhaupt Osia zu sich kommen und macht ihm Borwürfe, daßer Gott versucht habe. Man solle doch an Gottes Hilfe nicht sogleichverzweifeln, sie sei gegenwärtig um so gewisser zu erwarten")alses in unseren Tagen keinen Stamm, keine Familie, keinen Kreis undkeine Stadt unter uns giebt, welche vor händegemachten Göttern dasKnie beugt, wie in früheren Tagen," was eben Unheil über Israelherbeigeführt hat.Wir aber wollen keinen anderen Gott anerkennen,darum wird er uns auch nicht verwerfen." Judith verspricht ihnenunter Gottes Beistand Hilfe und zieht mit ihrer Dienerin ans derStadt, um sich in des Feindes Lager zu begeben, geschickt und mitaller Art weiblicher Zier, nachdem sie sich durch inbrünstiges Gebetgestärkt. Sie läßt von ihrer Dienerin in einem Korbe Wein, Oel,reines Brod nnd sogar Gcrstengranpen und trockene Feigen mit-nehmen; denn sie ist entschlossen, auch in der Nähe des Feindes anihrem frommen Wandel festznhalten, um sich nicht an Heidenspeise zuverunreinigen ^).

In Feindes Lager angekommen, erregt Judiths Schönheit nndAnmuth das Staunen der rauhen Krieger, und noch mehr desOlophernes, zu dem sie geführt wird. Sie erklärt ihm ihr Ueber-lanfen durch die eingerissene Sündhaftigkeit des Volkes, welches inseiner Noth das vom Gesetze Verbotene genießt, sogar die Erstlingedes Getreides, den Zehnten vom Wein nnd Oel, welches ein Laienicht einmal mit Händen berühren dürfte Z. Wegen dieser Ent-weihung nnd Gesetzvergessenheit sei die Fromme und Gottesfürchtigevon Gott zu ihm gesandt, ihm den baldigen Sieg zu verkünden undihn mitten durchs Land bis vor Jerusalem zu führen. Olophernes,von ihrer Schönheit nnd ihrer anmnthigen Rede bestochen, glaubtihren Worten und gestattet ihr freie Bewegung innerhalb des Lagersnnd noch weiter. In seiner Geilheit ladet er sie zu einem einsamen

-) Das. 8, 6. -) Das. 8, 17, 18, 20.

Das. 10, 5, auch 12, 12; 1819. Das. II, 12-1-1.