Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

Das Buch Judith.

121

nach der Tempelzerstörnng ciugesührt Ware», fügte das Syuhcdriuneue hinzu. Es verbot, die Bräute am Hochzeitstage mit Kränzenzn schmücken und untersagte ferner das Erlernen des Griechischenfür Jedermann. Was man darunter verstand, ob Sprache oderSitte oder sonst etwas eigenthümlich Griechisches, läßt sich kaummehr ermitteln, ebensowenig welcher Zusammenhang zwischen demKriege und der Abneigung gegen das Griechische bestand. Warenvielleicht die griechischen Bewohner des palästinensischen Küstenstrichesbnndesbrüchig geworden und hatten die Inden im Stiche gelassen?Einer andern Andeutung nach scheint Jamnia, der Sitz des Syn-hedrin, eine Vorrathskammcr für Lebensmittel gewesen und in Folgedes Krieges zerstört worden zn sein *). Wenn diese Nachricht überallen Zweifel gesichert wäre, dann würde sich daraus ergeben, daß sichauch die Tanaiten an dieser Erhebung gegen Trajan und am Kriegegegen Qnietus betheiligt haben.

Während die palästinensischen Inden noch in großer Bedrängnis;und nahe daran waren, Qnietus Vernichtungskrieg zn erliegen, scheintein nationaler, begeisterter Dichter eine künstlerisch zusammen gesetzteGeschichte, halb Wahrheit und halb Dichtung gestaltet zu haben, umden Rest der Krieger znm standhaften Ansharren zn ermnthigen undin eindringlicher Beredsamkeit ans den hinznweisen, der so oftIsrael aus Nöthen und Gefahre» errettet. Dieser unbekannte kunst-verständige Dichter, der Verfasser des Buches Judith, hat in einemerdichteten Bilde ans der Vergangenheit die Gegenwart dnrchschimmernlassen und die Mittel an die Hand geben wollen, wie das jüdischeVolk dem racheschnanbenden Feinde begegnen und zugleich auf seinenGott, der oft Wunder für dasselbe gethan, vertrauen sollte, daß er esvor Untergang schützen werde. Er zeichnete darin, wie es augenfälligscheint, Trajan mit seinen glänzenden Erfolgen und Siegen imParthischen Lande unter dem Bilde N e b n ch a d ne z ar s, seinen un-erbittlich grausamen Feldherrn, den zweiten nach ihm, Lnsins Qnietus,unter der Hülle einer erdichteten Figur Olop Hernes, die Ver-zweiflung des jüdischen Volkes, das in höchster Gefahr schwebt, unddie voraussichtliche Errettung durch eine anmuthige Gestalt, die zu-gleich schöne und streng jüdisch-fromme Judith, welche eine un-erwartete Heldenthat verübt. Das Buch Judith ist nach allen Seiten,darauf angelegt, den Mnth halbverzweifelter Krieger und Auf-ständischen zu beleben und ihnen nahe Hülfe zn verheißen. Es wurdewenn es in dieser Zeit gedichtet ist, dem Rest der Kämpfenden in der

st lllosikta Demai e. I.