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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

unterjochten Völker spurlos unterzugehen. Eine solche Einmüthigkcitsetzt einen wohlberechncten Plan und kräftige Führer voraus. AuchJudäa bereitete sich zum Aufstande vor und leitete ihn in denNachbarländern am Euphrat und Egypten (Herbst 116, Winter 117).In dem halben Jahrhunderte seit dem Untergang des jüdischenStaates durch die Römer war ein neues Geschlecht herangewachsen,welches den zelotischen Geist seiner Väter geerbt und noch ein frischesGedächtniß für die ehemalige Selbstständigkeit hatte und die Erniedrigungin der Gegenwart um so mehr fühlte. Die Hoffnung der tanaitischenLehrer:bald wird der Tempel wieder erbaut werden", hatte denFreiheitsgeist der Jugend genährt und wach erhalten *); sie hatten inden halachischen Lehrhäusern Kriegsmuth und Handhabung der Waffennicht verlernt. Wahrscheinlich hat der Uebermuth der rücksichtslosenrömischen Behörden zum Aufstand gereizt. Eine Sage erzählt:Trajans Gattin (Plotina) habe gerade am neunten Ab während derTrauer der Juden um die Tempelzerstörnng ein Kind geboren, undes am Weihnachtsfeste während der Frendenfeier der Juden zurErinnerung an die Siege der Hasmonäer verloren, und sie habe derenTrauer als feindliche Mißgunst und deren Feier als Schadenfreudegedeutet. Die Kaiserin habe in Folge dessen an Trajan geschrieben:Statt die Barbaren zu unterwerfen, solltest du lieber die Judenzüchtigen, die von dir äbfallen." In Judäa scheinen zwei muthigeMänner oder zwei Brüder, die Alexandriner Julian ns undPappos,°ff den Aufstand geschürt und geleitet zu haben. DerSchauplatz der Versammlung der aufständischen Scharen war dieNimm on-Ebene oder die große Ebene Jesreel. Indessen istweder dieses, noch der Verlauf der Erhebung bekannt geworden, manhat lediglich ein ganz unbestimmtes Bild von den Vorgängen undkennt mit Gewißheit nur den Ansgang des Aufstandes der Juden.In Kyrene, dessen jüdische Bewohner von den flüchtigen Zeloten schoneinmal unmittelbar nach der Zerstörung des Tempels zum Kampfegegen die Römer ermuthigt worden waren, war der Hauptanfstand.

') (lieber die allgemeine Verbreitung dieser religiösen Stimmung und Hoff-nung geben uns die um diese Zeit von jüdischen Verfassern entstandenenApokalypsen des Esra und Baruch eine unmittelbare lebhafte und sichereKunde, lieber die Zeit ihrer Abfassung s. Noscnthal: Vier apokryphische Bücherre. p. 40 ff. und Schürer das. Bd. II. p. 638 ff.)

2) lieber den Aufstand s. Note 15. Die angeführte Sage in ssr. Luksta Vx. 55 b.; Labba Nbrsni p. 67. b. Labba lisibsr Anfang.

°) (Graetz, Volksausgabe II. p. 72 hat den Zusatz:mit ihrem hebräischenNamen wohl Simon und Schemaja". Die Belege dafür s. Graetz III 4. Aufl.p. 839 ff.)