Akylas.
I «>5>
wohlthätigen Einfluß auf Verbreitung des Judenthums. Manwendete auf Akylas' Uebersetzung den Schriftvers an: Gott hat Jephet(Typus des Griechenthnms) mit einer schönen Sprache begabt, undjetzt wird sie in dem Zelte Sems (Typus des Judenthums) weilen *).— Waren die Frommen früher mit einer Uebersetznng der heiligenSchrift überhaupt unzufrieden, weil man glaubte, daß der ursprüng-liche Sinn dadurch getrübt werden konnte, hatte man sogar den Tag,an welchem die alexandrinische Uebersetznng der Siebziger zu Standegekommen war, für einen Unglückstag gehalten, gleich jenem, anwelchem das goldene Kalb in der Wüste angebctet wurde und ihngar als Fasttag eingesetzt^), so hatte Akylas durch seine treue, wört-liche Uebersetznng über jene Bedenklichkeiten hinweggeholfen fluid dasGewissen der Frommen beruhigt. Man legte daher dieser Uebersetznngdie Heiligkeit des hebräischen Urtextes bei und empfahl sie allgemeinzum Zwecke öffentlicher Vorlesungen^).
Akylas Uebersetznng fand die allgemeinste Verbreitung^). VieleWörter ans derselben sind in der jüdischen Literatur anfbewahrt,was den Beweis giebt, daß sie auch in Judäa im Gebrauch war.Auch die Ebioniten, denen die Entstellungen in der älter» Uebersetznngzu Gunsten der Andeutung auf die Göttlichkeit Jesu nicht minderanstößig waren, bedienten sich derselben beim Gottesdienste^). Ausdemselben Grunde verabscheuten sie gerade die Heidenchristen und die-jenigen judenchristlichen Sekten, welche den Standpunkt der Ebionitenaufgegeben hatten. Sie nahmen besonders an der Uebersetznng desVerses des Jesajah Anstoß, welchen Akylas mit den Worten wieder-gegeben hatte: „Siehe eine junge Frau ist schwanger, wird einenSohn gebären und ihn Immanuel nennen." Die Christen hatten sichdiesen Vers durch „eine Jungfrau wird schwanger werden" zurechtgelegt und darin die Prophezeiung von der jungfräulichen GeburtJesu gefunden"). Akylas Uebersetznng, so wichtig für die Zeitgenossen,hat sich nach und nach verloren und es sind von ihr nur einzelneWorte und Bruchstücke erhalten, welche jedoch zu einem richtigenSchlüsse auf ihren ursprünglichen Charakter berechtigen. Es scheint,daß eine aramäische Uebersetznng der Bibel sich Akylas Einfachheitzum Muster genommen und daher den Namen Targnm Onkelos(so viel wie >VnIczllcis) geführt hat; dieselbe ist noch jetzt unter diesemNamen in Gebrauch?)
-) ZleZitla 9. b. 2) S. Band III. S. 37. -) Zlstz'illa 9. a.
OrlZeuW SMtola all Tkrieanum 2.
°y Ireuasus allvsrsiw Userssss o. 24. Eusebius Kirchengeschichte V. 8.
°) Daselbst. -) State 13.