98
Geschichte der Juden.
mit dem Judenthum zerfallen, ein Verächter und Verfolger desselbengeworden sei. Nur R. Akiba sei glücklich der Gefahr entronnen, d. h. ersei bei seinen theosophischen Forschungen doch immer auf dem Bodendes Jndenthnms geblieben. In der That zeigt R. Akiba auch diegeläutertsten Begriffe von Gott, seiner Weltwaltnng und der Aufgabedes Menschen hienieden, welches einen scharfen Kontrast gegen dieZerfahrenheit der Gnostiker bildet. Er stellte einen Satz auf, welcherdurch seinen Inhalt und seine Kürze ein volles Zeugniß ablegt, daßer in der höhern Agada eben so bedeutend war, wie in der Halacha.Er lehrte: „Es giebt für Alles eine Vorsehung, die Willensfreiheitist den Menschen gewährt, die Welt wird durch Güte regiert, unddas Verdienst des Menschen besteht in der Fülle von Thaten" (d. h.nicht in der bloßen Erkenntniß ^). Jedes Wort in diesem Kernspruchehat eine Spitze gegen Irrlehren jener Zeit.
Wie die tieferblickenden Tana'iten die Gefahren nicht verkannten,welche aus der Freiheit der Forschung über die höchsten Wahrheitendes Judenthums erwachsen konnten, so trafen sie Vorkehrungen,dieselben zu beseitigen. R. Akiba drang am meisten darauf, derMaßlosigkeit derjenigen Theorie, welche zum Abfall vom Juden-tum und zu zügelloser Unsitllichkeit führte, eine Schranke zu setzen.Er war der Meinung, daß man den Text über die Schöpfungs-geschichte und den Ezechielischen Thronwagen Gottes nicht vor demVolke auslegen, sondern das Verständniß desselben nur wenigen Aus-erwählten eröffnen sollte. Diejenigen, welche in die höhere Weisheiteingeweiht sein wollten, müßten hinlängliche Vorkenntniffe besitzen,um Winke und Andeutungen zu verstehen, vor Allem aber sollten siedas dreißigste Lebensjahr überschritten Habens.
Tie Beschäftigung mit der judenfeindlichen Literatur jener Zeitwollte R. Akiba dadurch bannen, daß er denjenigen, welche sie lasen,den Antheil an der zukünftigen Welt absprach, gleich denen, welchedie Auferstehung und die Göttlichkeit des jüdischen Gesetzes leugneten").Die Einschaltung zweideutiger Gebetformeln, welche an die Lehreder Minäer anklangen, unterdrückte man ganz und gar. DieseMaßregeln gegen das Eindringen gnostisch-christlicher Theorien trugenihre Früchte; die reinen Begriffe des Jndenthnms von Gott, seinemVerhältnisse zur Welt und dem sittlichen Verhalten des Menschenblieben im jüdischen Kreise ungetrübt als befruchtende Gedanken für
ff ^.bot III. 19. s. Graetz, Gnosticismus und Judenthum S 48. f. 91. ff.ff Obag'iZ'a, 11. sf. Hisron;'MN8 snistola all Lanlinnm 2. all. ünstavllinm 33.ff Lzmbeürin 99 a.