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Die Gnosis innerhalb des Judenthnms.
seiner herzengewinnenden Lehren genommen hatte. Der erste Schrittzur Entfremdung der Christen von ihrem Urquell führte sie allmäligzu fanatischer Gehässigkeit gegen die Juden.
Durch die Ausscheidung der judenchristlichen Sekten aus derjüdischen Gemeinschaft waren indessen noch nicht alle Folgen deseine Zeitlang geübten Einflusses auf die Juden verwischt. Gewissegnostische, d. h. halbchristliche Anschauungen hatten sich auch injüdischen Kreisen Eingang zu verschaffen gewußt. Die Begriffe von,Urstoffe der Welt, von den Aeonen, von den vorausbestimmtenKlassenunterschieden der Menschen, selbst die Lehre von dem Doppel-weseu der Gottheit, als eines Gottes der Güte und eines andernder Gerechtigkeit, hatten bei Manchen Anklang gefunden, und sich sofest ins Bewußtsein derselben eingenistet, daß sie selbst im GebeteAusdruck erhalten hatten. Diese erlaubten sich gewisse Wendungenbeim Gebete, welche an gnostische oder christliche Vorstellungenerinnerten. Gebetformeln, wie: „Dich Gott loben die Guten," oder„dein Name werde zum Guten genannt," die Wiederholung derFormel „dich Gott loben wir," der Gebrauch zweierlei Gottesnamen,alles dieses galt als eine Anspielung auf die Anschauungsweise dertheosophischen Irrlehre, welche die Güte Gottes auf Kosten seinerGerechtigkeit scharf betonte und damit den Grundbegriff des Juden-thums in Frage stellte. Vorschub leistete dieser Gedankenrichtung dieVertiefung in die Erforschung über das Kapitel der Weltschöpfungund den Thronwagen Gottes im Propheten Ezechiel (Nask're Usresedit,illuu'srs Llerkadu); die Phantasie hatte auf diesem, dem Verständnisseso schwierigen Gebiete, freien Spielraum, und mancher befremdlicheAusdruck in diesem Texte mochte mit dem Zubehelf der agadischenManier jener Zeit an dieses und jenes erinnern, so sehr es auchdem wahren Sinn desselben fern liegt. Untersuchungen über diesesThema waren daher, je dunkler, desto anziehender, eine Lieblings-beschäftigung geworden; man nannte solche Vertiefung in der mystisch-bildlichen Sprache „eingehen ins Paradies", mit Anspielung auf denBaum der Erkenntniß, welcher nach der biblischen Erzählung imGarten Eden oder dem Paradiese für das erste Menschenpaar einenso verlockenden Reiz hatte. Es werden mehrere Gesetzeslehrer nam-haft gemacht, die sich in diese höhere Weisheit einweihen ließen; dochverkannte mau nicht, daß diese Beschäftigung vielfache Gefahren fürdas jüdische Bekenutniß im Gefolge habe. Diese Gefahren werden inder Quelle angedeutet, daß von den beiden Jüngcrgenossen Ben-Somaund Ben-Asai der eine sich dadurch eine Verstandeszerrüttuug, derandere den frühzeitigen Tod zugezogen, Acher in Folge dessen
Graetz, Geschichte der Juden. IV. ?