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Geschichte der Juden.
Grundgedanken der Gnosis von einem Doppelwesen in der Gottheitangeeignet und dadurch gleich den Gnostikern ein Verächter desjüdischen Gesetzes geworden war. Auch Praktisch soll er der schlechtengnostischen Moral gehuldigt und sich einem zügellosen Leben überlassenhaben. Von seinem Abfalle vom Jndenthnme erhielt er den Apostaten-namen Ach er (ein Anderer), als wenn er durch den Uebertritt zueinem andern Prinzipe ein Andrer geworden wäre. Acher gilt daherim jüdischen Kreise als der vollendete Ausdruck der Abtrünnigkeit,welche die erlangte Kenntniß des Gesetzes dazu mißbraucht, dasselbemit mehr Nachdruck zu verfolgen*).
Diesen Wühlereien gegenüber, welche vom Christenthnme ausgegen das jüdische Wesen gerichtet wurden, mußte das Jndenthumsich selbst schützen, auf seine Selbsterhaltnng und seinen Fortbestandbedacht sein. Feindliche Mächte drangen in seine Tempel, entweihtenseine Heiligthümer, trübten seinen reinen Gottesbegriff, verfälschtenund mißdeuteten seine Lehren, machten seine Anhänger abtrünnig undbewaffneten sie mit Haß und Verachtung gegen den Gegenstand ihrerfrüher» Verehrung; es durfte dieses Treiben nicht gleichgültig undmüssig mit ansehen. Die Zeit der Hellenisten in der makkabäischenPeriode, welche zuerst die Zwietracht in das Haus Israel gebracht,schien in erschreckender Gestalt wiedergekehrt; abermals verschworensich die eigenen Söhne gegen ihre Mutter. Der enge Kreis derTana'tten empfand die von da her drohende Gefahr aufs Lebhafteste;er versah sich nichts Gutes für die Lehre von Seiten der Minäerund erkannte, daß die Schriften derselben eine verführerische Wirkungauf die nrtheilsunfähige Masse ausübten. R. Tarphon (Tryphon) sprachvon diesem gefahrdrohenden Einflüsse mit vollster Ueberzeugnng: „dieEvangelien (Oilion) und sämmtliche Schriften der Minäer verdientenverbrannt zn werden mit sammt den heiligen Gottesnamen, die darinVorkommen; denn das Heidenthum ist minder gefährdend, als diejndenchristlichen Sekten, weil jenes die Wahrheiten des Judenthumsans Unkenntniß nicht anerkenne, diese hingegen sie mit klarer Erkenntnißverleugneten. Er würde daher sich lieber in einen Heidentempel zurRettung flüchten, als in die Versammlnngshäuser der Minäer".R. Jsmael, von Charakter minder heftig als R. Tarphon, äußertedieselbe Stimmung gegen das seinem Ursprünge entartete Juden-christenthum; man dürfe sich nicht scheuen, die Gottesnamen in denEvangelien zn verbrennen, denn sie schürten nur Haß und Widerwillenzwischen dem jüdischen Volke und seinem Gotte an"). Man warf
') Graetz, Gnosticismus im Judenthum 16. s. 62. ff.
-) Ladbar x. 116. a, ^er. das. o. XVI. x. 16. 3.