Untergeschobene Schriften und Evangelien. 98
Stichwörter ihrer Partei Jesus in den Mund zu legen, und machendaher Alles verdächtig, was in dieser ganzen Literatur über seinLeben erzählt wird. In diesem Evangelium kommen Aenßernngenvom Stifter vor, welche die Einen für ein Verbot der Ehe, die Andernfür eine Entfesselung des Geschlechtstriebes nahmen. Jesus wirddarin in Unterredung mit einer Frau Salome cingeführt, die ihnfragt, wann denn Alles dasjenige werde erkannt werden, was er ver-heißen. Jesus antwortete ihr: „Dann wenn ihr den Schleier derScham werdet zerreißen, und wenn die Zwei (Geschlechter) eins seinwerden, und das Männliche mit dem Weibliche», weder Männlichesnoch Weibliches"
Dem Judenthum waren solche evangelische Schriften, welche zumTheil von Juden und für Juden geschrieben waren, nicht gleichgültig;sie berührten sein innerstes Wesen, da sie darauf hiuzielten, denBestand des Judenthums zu unterwühlen und die Treue seiner Bekennerwankend zu machen. Gewiß war die Zahl derer nicht gering, die sichvon diesem Dämmerlichte neuer Lehren, wo Wahres und Falscheswunderbar vermischt war, haben blenden und zum Abfall von derMuttergemeinde verlocken lassen. Die Abtrünnigkeit eines einzigen,des schon erwähnten Elisa b. Abnja, hatte späterhin traurigeFolgen. Die Beweggründe, welche diesen Gesetzeslehrer, der seinenGenossen an Kenntniß nicht nachstand, znm Abfall gebracht haben,sind in den Quellen nicht undeutlich angegeben und lassen den nichtunbedeutenden Einfluß der theosophischcn Irrlehren auf den jüdischenKreis nicht verkennen. Die Sage hat aber Züge hiuzngefügt, um sichdie seltene Erscheinung zu erklären, wie ein mit dem Gesetze Vertrantereinen solchen Schritt thun konnte, das Gesetz zu verhöhnen. Manerzählte sich, Elisa's Vater Abuja sei einer der Reichen Jerusalemsgewesen und habe zur Geburtsfeier seines Sohnes die angesehenstenMänner der Lehre, darunter auch R. Eliescr und Josua, eingeladen.Wie diese sich von dem Gesetz unterredet, habe sie ein himmlischesFeuer umflossen. Der Vater, über diesen Anblick erstaunt, habe sichvorgenommen, seinen Sohn für das Gesetzesstndium zu erziehen; weilaber der Beweggrund dazu die Eitelkeit gewesen, darum habe dieLehre keine tiefen Wurzeln in dem Gemüthe des Sohnes geschlagen.Es ist nicht zweifelhaft, daß Elisa b. Abnja mit der gnostischen Literaturjener Zeit vertraut war; dahin deuten die Nachrichten, daß griechischeGesänge nicht aus seinem Munde gewichen, daß Schriften derMinäer ihn stets begleitet haben. Sicher ist ferner, daß er sich den
h (llsmsns ^lsxauilrtuns Ftromata III. 165.