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Geschichte der Juden.
antworteten sie ihm: „Es heißt ja in der Schrift, dein Loos wirfunter uns. ein Beutel sei für uns Alle" ^). Solche übereinstimmendeZeugnisse aus jüdischen und christlichen Quellen lassen an der That-sache nicht zweifeln, daß es eine unsittliche Sekte gegeben hat, welcheder Fleischeslust ans Prinzip huldigte.
Dieses schwärmende Gesumme von Irrlehren und Sekten dnrch-schwirrte und durchkreuzte sich in wirrem Durcheinander, jede derselbenjagte nach Jüngern und Anhängern, wie denn überhaupt das Christen-thum und was damit zusammenhing', vom Urbeginne an sich nicht aufdie stillwirkende Macht der Wahrheit verließ, sondern geradezu aufProselyten ansging. Die Mittel, deren sie sich zur Verbreitung ihrerAnsicht bedienten, waren Schriften in hebräischer, griechischer undsyrischer Sprache, die sich wie eine Fluth über Judäa und die an-grenzenden Länder bis Kleinasien und Rom ergossen. Die Schrift-steller dieser Literatur traten selten mit ihrem eigenen Namen auf,sondern legte» zumeist ihren Gedankcngang alten Autoritäten derjüdischen Geschichte unter, deren Namen sie an die Spitze ihrerSchriften setzten. Man lieferte in dieser Zeit Schriften von Adam,Enoch, Prophezeiungen von Cham, Bücher von den Erzvätern, vonMoseh, Elias, Jesaias; man dichtete Psalmen nach davidischem Muster,und kaum eine der biblischen Figuren blieb von den untergeschobenenSchriften verschont. Wo die Prophetennamen nicht ansrcichten, erfandman neue von dem wunderlichsten Klange: Pachor, Barkor, Barkoph,Armagil, Barbelon, Balsamnm, Abraxas, Lensiboras und Andere,darauf berechnet, die Phantasie gefangen zu nehmen ^). Meistenslegten sie ihre Gedanken und Lehren dem Stifter des Christenthumsin den Mund, verarbeiteten Sagen und Mythen über seine Geburt,sein Leben, feine Wirksamkeit, seine Wunderthätigkeit in lebens-geschichtlichen Bildern. Man zählte nahe an fünfzig solcher ver-schiedenen Evangelien, jede Sekte hatte fast ihr eigenes Evangeliumund verwarf die der Andern. Es gab ein Evangelium der Ebioniten,der Hebräer, der Gnostiker, der Enkratiten, des Kerinth, Basilides,Valentinus, Marcion, Tatian, der Egypter, Syrer und anderer mehr.Zur Gewähr der Wahrheit des Erzählten schrieb man jedem derunmittelbaren Jünger Jesu die Abfassung eines Evangeliums zu^).Bruchstücke ans dem Egypter-Evangelium, die noch vorhanden sind,veranschaulichen auf das Deutlichste, wie wenig sich die Sektirer scheuten,
y Viclrusod Loiislol 85. N.
2 ) Hieronymus all Hisoclorum III 6. und ^.(lvsrsus ViKilantiuw.
") Vadrioius biblioldeoa Arasoa IV i>. 281 ff. und dessen Ooäsx