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Geschichte der Inden.
gebmig mit alle» Maßregeln, welche auf ein vernünftiges, sittlichesStaatsverhältniß berechnet waren, als die härteste Tyrannei. Diegnostische Schule des Kerdon und Marcion trieb diese Verachtung desjüdischen Gesetzes am weitesten. Sie stellten einander gegenüber dieMilde des Christenthnms und die scheinbare Härte des Judenthumsaus Beispielen des alten Testaments und den Lehren der Menschen-liebe, welche durch Jesus doch nur verbreitet, nicht neu eingeführtworden waren. Diese Sammlung von Parallelen nannte MarcionGegensätze*). Die marcionitische Schule trieb cs so arg mit derVerdächtigung des Jndenthums, daß selbst die orthodoxen Kirchen-lehrer, eingedenk, daß jenes die Hanptsänle ihres Bekenntnisses bildet,gegen diese Auffassung ernstlich ankämpften. „Meide," so warnt einSendschreiben angeblich von Paulus an Thimotheus, „das unheiligcGeschwätz und die Gegensätze der falschen Gnosis, welche Einige ver-künden, aber des Glaubens verfehlen""). Es gab eine gnostischeSekte, deren Anhänger sich förmlich darauf verlegten, gerade dasjenigezu thuu, was iu Moseh's Gesetz Verbote» ist; sie nannte» sich Anti-takten (von gegen das Gesetz handeln 2).
Aus dieser Theorie entwickelte sich eine Praxis, die, wiewohl ansderselben Grundidee ausgehend, in entgegengesetzter Richtung weitauseinander lief. Ein Zweig der Gnostiker, ergriffen von dem Ge-danken, daß die höhere Erkenntniß der göttlichen Natur die Haupt-tugend sei, verachtete jede andere menschliche Thätigkeit und betrachtetesie als ein Nebel, als ein Versinken in den Schlamm der irdischenNatur, in die Gewalt des Satans. Ganz besonders war diesen daseheliche Leben ein Stein des Anstoßes, welches sie nicht genug an-feinden konnten. Die Ehe galt ihnen als eine Verdunkelung derGnosis; es war eine ihrer Hauptanklagen gegen den Weltschöpfer,daß er die Menschheit in zwei Geschlechter getrennt und dadurch dieEhe gleichsam zum Nothübel gemacht habe*). Der Fleischspeisen,überhaupt der thierischen Nahrung, enthielten sie sich, um sich auf derHöhe des Geistes erhalten zu können. Von dem Gnostiker Bardesaneserzählt man, er habe sich aller Speisen enthalten und „wie eineSchlange gefastet". Man nennt diesen Zweig der Gnostiker Asketen,
r) oder nach Bunsen (Hippolytus und seine Zeit I. S. 75)
Die Gegensätze in der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliumzwischen Gesetz und Evangelium 5, 22 fg. stammen ohne Zweifel aus dieserQuelle.
2) Brief an Thimotheus I. 6. 20.
b) tülsmsus ^.lsxamlrinns 8tramata III, p. ö26.
ch LpipbauE, Rmreses k7o 27.