Gnostische Theorie.
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wie sich ihre allegorische Redeweise ausdrückt, die Weisheit in denSchooß des Urstoffes versenkte, eine Mannigfaltigkeit derFormen hervorbrachte, aber auch dadurch selbst getrübtund verdunkelt wurde. Nach dieser Voraussetzung nahmen dieGnostiker drei Urwesen an: den höchsten Gott, den Weltschöpfer undden Urstoff, und leiteten von diesen die verschiedenen Verhältnisse undAbstufungen in der Geister- und Körperwelt ab. Alles Gute undEdle sei ein Ausfluß des höchsten Gottes, das Gesetz und die Ge-rechtigkeit stamme vom Weltschöpfer ab, endlich alles Mangelhafte,Schlechte, Verkrüppelte in der Welt sei eine Wirkung des beschränkenden,niederdrückenden Urstoffes.
Nach dieser gnostischen Eintheilnng der drei Weltmächte gebe esauch unter den Menschen drei Klassen oder Kasten, die im Diensteeines dieser drei Prinzipien stehen. Es gebe geistige Menschen(Pneumatiker), die von dem höchsten Gott begeistert sind und für ihnstreben, frei von dem Joche des Gesetzes, entbunden der Fesseln derirdischen Natur; sie sind sich selbst Gesetz und Regel und bedürfenderen Leitung und Bevormundung nicht; dazu gehören die Prophetenund die Inhaber der wahren Gnosis. Es gebe ferner fleischlicheMenschen (Psychiker) im Dienste des gesetzgebenden Deminrgen; siestehen unter dem Joche des Gesetzes, vermittelst dessen sie sich einiger-maßen von der Gewalt des Irdischen freihalten können, ohne jedochdie Höhe der Geistesmenschen erschwingen zu können. Endlich gebees irdische Menschen (Cboiker), die den Thieren gleich in den Bandender Erde und des Stoffes gefesselt sind, sich weder zum freien Schwungder Geistesmenschen erheben, noch sich von den Vorschriften des Ge-setzes regeln lasse» können. Als Typen dieser drei Menschenklassengalten den Gnostikern die drei Adamssöhne: Seth war das Urbildder Pneumatiker, Abel der Iypus der Gesetzesmenschen, endlichKain das Bild der irdischen Menschen. Auch die drei ReligionenPflegten einige Gnostiker nach diesem Schema zu klassifiziren: dasChristenthum sei ein Erzengniß des höchsten Gottes, das Jndcnthnmdas Produkt des Demiurgos, endlich das Hcidenthum eine Schöpfungdes nieder» Urstoffes. Dieses ist ungefähr der Hauptinhalt dergnostischen Theorie, so viel durch Mittheilnng ihrer Gegner bekanntgeworden ist. Wiewohl sie den Ausgang ihrer Lehre ans den jüdischenSchriften nahmen, so richteten die Gnostiker dennoch feindliche An-griffe mit einer leidenschaftlichen Wuth gegen das mosaische Gesetz,das sie als Werk des Demiurgos verachten zu müssen glanbten. Warihnen Gesetz überhaupt ein beschränkter Standpunkt gegen die Freiheitder Gnosis, so erschienen ihnen die Strafgesetze der mosaischen Gesetz-