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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

halten. Die alte Frage: woher denn das Nebel in der Welt seinenUrsprung habe, und wie sich dieses mit dem Begriffe von einergütigen und gerechten Vorsehung vereinen lasse, beschäftigte die Ge-müther derer auf das lebhafteste, welche durch die christlichen Send-boten Bekanntschaft mit der jüdischen Gedankenwelt gemacht hatten.Nur durch ein neues Gottesbewußtsein glaubte man die Frage lösenzu können, und man stellte sich ein solches ans den verschiedenstenReligionssystemen zusammen. Die höhere Erkenntniß von Gott, seinemVerhälmiß zur Welt und dem religiösen und sittlichen Leben nannteman Gnosis, und diejenigen, welche im Besitz derselben zn seinglaubten, legten sich selbst den Namen Gnostikers bei, und ver-standen darunter höher begabte Naturen, welche, der Gottheitnäher stehend in das Geheimniß der Weltordnung eingedrnngcnwären. Die Gnostiker oder richtiger Theosophen, zwischen Juden-thnm, Christenthnm und Heidenthnm schwebend, wie sie aus diesendrei Kreisen Vorstellungen und Gedankenformungen anfnahmen, gingenauch aus den Anhängern der drei Religionen hervor. Von ihremLehrbegriffe sind bisher nur unznsammenhängende Bruchstücke, einzelneFäden ans einem fremdartigen Gewebe bekannt geworden, welche lediglichdurch die Schriften ihrer christlich-jüdischen Gegner erhalten sind. Somächtig muß aber der Reiz der gnostischen Lehren gewesen sein, daß dieAutoritäten der Synagoge und Kirche nicht genug Gesetze und Ver-ordnungen dagegen erlassen konnten, und dessen ungeachtet nicht znverhindern im Stande waren, daß nicht hin und wieder gnostischeLehren und Formeln in das Bewußtsein der Juden und ChristenEingang gefunden Hütten. Verbreitet war die Gnosis in Judäa,Egypten, Syrien, Kleinasien, und ganz besonders in der WeltstadtRom, wo alle Religionsmeinungen und Anschauungsweisen ans An-hänger zählen durften. Die Sprache der Gnostiker war mystisch-allegorischer Art, oft entlehnt aus jüdischen und christlichen Be-kenntnißschriften, aber in einem ganz anderen Sinne ausgelegt. Vonden Urhebern und Trägern des gnostischen Lehrsystems sind nurwenige Namen, einige abgerissene Aussprüche und zu dürftige lebens-geschichtliche Nachrichten bekannt, als daß sie einen Liefern Einblick indieses sonderbare Gedankengewebe gestatten könnten. Die berühmtestenNamen der Gnostiker waren: Saturn in, Basilides und

st Monographien und Abhandlungen Uber die Gnosis sind Legion. Haupt-quellenschriften sind Irenaus in Ukkreses, dann die neuaufgefundenen uns vonEmanuel Müller 1851 heransgegebene Schrift: welche

Bunsen dem Hippolytus zuschrieb, ferner Epiphanius Hwresss und bei andernKirchenvätern.