Sekten.
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den Gemeinschaft der Heidenchristen untergingen, theils in geringerZahl und in verkümmerter Gestalt zurückblieben, ein Gegenstand derVerachtung für Juden und Christen. Die Juden haßten sie auchihrerseits unter dem Namen Minäer lLlinim). worunter sie alleSekten verstanden, welche, dem Jndenthume entsprossen, es ganz odertheilweise verleugneten. Die Christen betrachteten sie nicht als dieUrgemeinde, aus welcher sie selbst mit Abstreifung des Judenthüm-lichen hervorgegangen waren, sondern als später entstandene Sektirer >).Eine eigenthümliche Erscheinung bot sich in diesem Meinungskampfedar, daß, wie sich die Judenchristen immer mehr vom Gesetze ent-fernten, die Hellenen dagegen sich ihm näherten. In den Sendschreibenund Briefen, welche die christlichen Lehrer an die Gemeinden oder aneinzelne Vertreter richteten, können sie nicht genug gegen >die Be-strebungen derer warnen, welche dem Gesetze nnd der jüdischen LehreEingang zu verschaffen eifrig waren.
Indessen entwickelten sich aus dem Christenthume eine MengeSekten von der sonderlichsten Benennung und der wunderlichstenRichtung. Das halbe Jahrhundert nach der Tempelzerstörung, wodie beiden Religionsformen der alten Welt, das Judenthum nndHeidenthum, eine Verwandlung und theilweise Verschmelzung erlitten:das Judenthum sich ohne Staat und politischen Stützpunkt zu be-festigen, das Heidenthnm sich in der Vollkraft seiner staatlichen Existenzzu lockern begann, entstand eine Gährnng in den Geistern derMenschen, welche die seltsamsten und abenteuerlichsten Geburten zu Tageförderte. Zu den zwei Elementen, dem Jndenthume und dem Heiden-thume entlehnt, gesellten sich noch andere ans dem jüdisch-alexandri-nischen Systeme Philo's, aus der griechischen Philosophie, überhauptaus allen Winkeln und Enden, deren Ursprung nnd Quellen kaumbestimmt werden können. Es war ein Gewirre der entgegengesetztenGedankenbegriffe und Lehren, Jüdisches nnd Heidnisches, Altes undNeues, Wahres und Falsches, Erhabenes und Niedriges in innigsterDurchdringung und Verschmelzung. Es schien, als ob bei dem Eintrittdes Christenthnms in die Welt alle ausgeprägten Lehren des Alter-thums ihm etwas von ihrem Inhalte mitgeben wollten, um dadurchWichtigkeit und Fortdauer zu erhalten. Die Paarung von unnatür-lichen Elementen brachte Mißgestalten nnd Zerrbilder hervor, ähnlich-dem Traum eines Wahnwitzigen, läßt aber auch den Drang der Zeitnicht verkennen, die ewigen Räthsel zu lösen, welche der Menscheugeistimmer von neuem anfwirft, ohne eine befriedigende Antwort zu er-