Allmälige Spannung zwischen Inden und Judenchristen. 8t
Jesu bei wnnderthätigen Ucbungen legten die Judenchristeil ihm nochkeine Göttlichkeit bei, da ja auch manche Inden vermittelst SalomonsNamen Gewalt über die bösen Geister zu haben glaubten'). Weileben die Ebioniten sich von den Juden im religiösen Leben durchnichts unterschieden, verkehrten Tanalten und ebionitische Lehrer ohneScheu mit einander. Es ist bereits erwähnt, daß der strengeR. Elieser, welcher den Heiden allesammt den Antheil am ewigenLeben absprach, mit einem Jndenchristen Jacobns Unterredungen hatteund Auslegungen, von Jesu mitgetheilt, harmlos anhörte. Alsben Dama, ein Schwestersohn R. Jsmaels, einst von einer Schlangegebissen wurde, war er im Begriffe, sich von demselben Jacobnsdurch eine Besprechungsformel im Namen Jesu heilen zu lassen^).Der Uebergang von der jüdischen Gemeinschaft zur christlichen warkein auffallender, anstößiger Schritt; es mochten wohl einige Gliederjüdischer Familien dem judenchristlichen Bekenntnisse angehangenhaben, ohne dadurch ein Aergerniß zu geben und den Hausfrieden zustören. Von Chananiah, einem Neffen R. Josnas, wird erzählt, er-höbe sieb der Christengemeinde zu Kapernanm angeschlossen, sein Onkeljedoch, der diesen Schritt gemißbilligt, habe ihn mit Gewalt diesemUmgänge entzogen und ihn nach Babylonien fern von christlichem Ein-flüsse gesandt 2).
Diese Harmlosigkeit zwischen Juden und den jüdischen AnhängernJesu dauerte jedoch nicht lange. Es liegt in der Natur des Menschen,den Gegenstand seiner Verehrung immer mehr zu idealisiren, unddie Begeisterung für denselben nimmt in dem Maße zu, jemehr daswahre Wesen desselben dem Gesichtskreise entrückt ist. Im Verlaufeder Zeit erscheinen dem begeisterungstrunkenen Herzen die Flecken ander hochverehrten Person als wesentliche Vorzüge, die störenden Maleerglänzen in der täuschenden Ferne als eben so viele Lichtpunkte.Je mehr die jüdischen Anhänger das unbegreifliche Leben ihresMessias ergründen wollten, desto mehr vertieften sie sich in die Pro-pheten, um sich von da ans Aufschluß über das Befremdende seinerErscheinung zu holen, und glaubten darin Beziehungen und Winke zufinden. Zuletzt mußte alles so geschehen sein, damit dieser und jenerAusspruch der Propheten vom Messias erfüllt werde. — Die Juden-christen blieben daher auch nicht bei der einfachen Anerkennung Jesuals Messias stehen, sondern neigten sich allmälig, ohne es zu wissen,
') ckossMus Altsrthümer VIII. 7.
2) Isrns. ^.doäa Lara, II. 2 und Parallelstellen.
°) llllclraeed Lol,siel säir. Lranlcl. 85. b.
Graetz, Geschichte der Juden. ,V. '>