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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

einrichtung und ihr öffentlicher Cnltns hatte einen jüdischen Zuschnitt;sie kannten keine andere Form. An der Spitze des Gottesdienstesund der Gemeinde stand der Episkopus (Aufseher, Bischof), welcherdem jüdischen Chasan (Im-Knesatj nachgebildet war. Neben undmit ihm fnngirtcn solche Gemeindeglieder, welche durch ein größeresMaß von biblischer Kenntniß oder durch eine andere Fähigkeit inAnsehen standen: sie wurden Presbyters (Priester) genannt undentsprachen den Sekenim (Aeltesten) der jüdischen Gemeindeverfassung.Sie erhielten wie diese ihre Funktion und ihre Weihe durch Hände-auflegen, nur daß innerhalb des Christenthums dabei an ein Ueber-leiten des heiligen Geistes, der von Jesus auf die Apostel und ihreJünger übergegangcn sei, gedacht wurde. Die Presbyters hatten wohlzugleich das Lehr- und Richteramt in den Gemeinden.

Die ccrcmonicllen Weihen, wie die Taufe und das Abendmahl,die charakteristischen Cercmonien des christlichen Lebens, Hutten ebensoeine» jüdischen Ursprung. Das Abendmahl war weiter nichts alseine Erinnerung an den ersten Abend des Passahfestes, welche nachder Tempelzerstörnng blos im Genuß des ungesäuerten Brodes unddes Weines bestand; daher fehlte in dem Abendmahle der Genußvom Opferlamme. Uni jedoch von dieser Ceremonie den jüdischenCharakter zu verwischen, gab man ihr eine Beziehung auf Christus,als wenn das Brod seinen Leib und der Wein sein Blut bedeutetes.

Gegen die Paulinische Theorie der Heidenchristen, gegen dieGesetzesverächter, herrschte unter den Juden eine so tiefe Abneigung,daß cs in vielen Genieinden Kleinasiens und Griechenlands zu Rei-bungen kam. In den Städten Antiochien (der Hauptstadt Pisidiens),Jconium, Thessalonica und Korinth wurden sie von jüdischen Ein-wohnern beschimpft, gesteinigt und verwiesen. Zwischen Judenchristcnund Inden hingegen bestand ein leidliches Verhältniß: es lag nichtsin dem ebionitischen Bekenntnisse, was gegen das jüdische Bewußtseinverstieß und es verletzte. Höchstens hätten die Wunderkuren und dieAustreibungen der Dämonen aus besessenen Personen, welche Ebio-niten wie hellenische Christen im Namen Jesu ausübten, bei den IndenAnstoß erregen können! Denn eben diese Macht über die bösenGeister wollten die Christen beider Parteien von Jesus vermittelst derApostel erhalten haben, und es gehörte mehrere Jahrhunderte hin-durch mit zu den Hauptfunktione» der christlichen Lehrer, Teufel zubannen, böse Krankheiten zu beschwören (exorciren) und überhauptWunder zu thnn ^). Allein durch das bloße Nennen des Namens

') Siehe Note IO.

2 ) I. Korintherbries 12, 8, fg. Orig-suss eoiwra. Oelsnm I. 6.