Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
77
Einzelbild herunterladen
 

Die Evangelien.

77

über ihn ausgesprochen; denn sein Herz sei voll Tücke gewesen, vollbitterer Galle und Ungerechtigkeit.Wie kann Jesns dem Heiden-apostel erschienen sein," so sagten die Jndenchristen einander »nd sagtenes auch den Gläubigen,da er doch das seiner Lehre Entgegengesetzteverkündete?" H Die von Paulus ausgegangene Befreiung vomjüdischen Gesetze bezeichnten die Gegner als Zügellosigkeit, als dieLehre Bileams, welche dazu verführte, Götzenopfer zu genießenund Unzucht zu treiben. Die Stimmführer der Heidenchristen bliebendie Antwort nicht schuldig, vergalten ihnen mit gleichem Hasse undvielleicht mit noch viel größerem, da zur Gegensätzlichkeit desreligiösen Bekenntnisses noch der Haß der Griechen und Römer gegendie Inden, wenn auch Anhänger Jesu, hinznkam. In den größerenchristlichen Gemeinden spalteten sie sich öfter in einzelne Gruppen undsperrten sich gegen einander ab. Der Eine sprach:ich bin ein Christnach Paulus Lehre"; der Andere:ich nach Apollo's Bekenntniß (einesalexandrinisch-jüdischen Sendboten), der Dritte:ich bin Kephisch"(Petrinisch), ein Vierter:ich bin Christisch"^). In den Sendschreiben,welche die Vorsteher der verschiedenen christlichen Parteien an dieGemeinden zu richten pflegten, brachten sie gewöhnlich spitzige oderverdammende Aenßernngen gegen die Widersacher ihres allein fürwahr gehaltenen Bekenntnisses an; es waren meistens Streitschriften.Selbst der Erzählung von Jesu Geburt, Wirken, Leiden, Tod undAuferstehung, die in dem ersten Viertel des zweiten Jahrhundertsunter dem Namen Evangelien zuerst niedergeschrieben wurden,gaben die zwei Parteien die Färbung und den Ton ihres Bekennt-nisses, und legten dem Stifter des Christenthnms Lehren und Seil-st Eines der geistvollsten und zugleich treffendsten Apergüs der TübingerSchule, und namentlich ihres Begründers C. F. Bauer, daß Simon Magus,das Haupt der Häretiker, lediglich eine tendenziöse Fiction und ein Typus fürPaulus ist. Diese Auffassung bestätigt sich von allen Seiten. Die einzigeSchwierigkeit, welche noch im Wege stand, daß nämlich Simon Magus sichdurch Geld das Apostelamt oder den heiligen Geist habe erschleichen wollen,hat Volkmar äußerst glücklich gelöst, vergl. Bauer und Zeller, theolog. Jahr-bücher 1857. S. 297 ff.

2) I. Korintherbrief 1, 12 sf. 3, 4; 22. Ich glaube, daß man alle Schwie-rigkeiten, welche gegen die erste Stelle aufgeworfen wurden, heben kann, wennman statt: öl X,»sr»>7 läse X»,)arn» 0brs8tn8 als Eigenname eines

Sendboten oder Lehrers gleich Apollos, vergl. Lnston, Claudius o. 25: llnclW 08 ,iwpnlaors 6brs8to . . tnmnltmantW Loma sxpnlit In dem Vers 3, 22 desKorintherbriefes, wo Gegensätze entgegengestellt werden: Sei es Paulus, sei esApollos, se: es Kcphas, -H- --.»o/ws, -lT-- -l'r- s«>'«ru?, steht ver-

einzelt. Sollte man nicht dafür auch lesen -kr- Xu^a-r»? oder richtiger X,»sar»??So scheint mir der Parallelismus richtig gegliedert.