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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Zwietracht i»i Schoße des Urchristenthums. 73

sei, wie das ganze Gesetz, durch Jesu Ankunft und Tod aufgehoben.Die unbeschnittenen Inden seien, wenn sie nur den rechten Glaubenhaben, die wahren Nachkommen Abrahams, sie seienAuserwählte,Priester, Könige." Diese Lehre, welche zugleich Vortheil gewährte,fand ohne Zweifel Anklang unter römischen und kleinasiatischen Judenund zog sie zum Christenthume hinüber.

Solchergestalt hatte es sich in den ersten Jahrzehnten nach derTempelzerstörung nicht nur vermehrt und verstärkt, sondern auchgehoben. Seine Anhänger bestanden nicht mehr aus der unwissendenund verachteten Klasse, aus Zöllnern und Weibern, sondern es hatteeinen bedeutenden Zuwachs aus wohlhabenden, gebildeten und ehr-baren Kreisen erhalten. In allen großen Städten des römischenReiches und ganz besonders in Rom gab es christliche Gemeinden,die sich halb und halb zu den Inden zählten, jedenfalls aber vonden Römern als solche angesehen wurden. Das Christenthnm konntein der öffentlichen Meinung nicht mehr wie bis dahin verächtlichübersehen werden, sondern fing an, als ein neues Element in derGeschichte mitznwirken.

Indessen wurde der Segen, den es der Heidenwelt brachte, unddie günstige Rückwirkung, die cs auf das Jndenthnm hätte habenkönnen, durch die Spaltung gehemmt, welche alsbald eintrat und esin falsche und verderbliche Bahnen leitete. Denn die PaulinischeLehre von der Ueberflüssigkeit des jüdischen Gesetzes hatte in denSchooß des Urchristenthums den Samen der Zwietracht geworfen,welcher die Anhänger Jesu in zwei große Parteien spaltete, die sichwiederum in kleinere Sekten mit eigenen Ansichten und eigener Lebens-weise abzweigten. Das Sektenwesen entstand im Christenthume nichterst im zweiten Jahrhundert, sondern herrschte im Urbeginn desselbenals eine nothwendige Folge entgegengesetzter GrnndlehrenDiezwei großen Parteien, die sich gleich am Anfänge dieser Periodeschroff gegenüberstanden, waren einerseits die Judenchristen, andrer-seits die Heid euchristen. Die Judenchiisten als die Urgemeinde,die sich ans Inden ergänzte, hingen mit dem Jndenthnme aufs engstezusammen. Sie beobachteten das jüdische Gesetz nach allen seinenTheilen und wiesen ans das Beispiel Jesu hin, welcher selbst denjüdischen Gesetzen gemäß gelebt habe. Sie legten dem Religions-stifter die Worte in den Mund:Eher würde Himmel und Erdevergehen, ehe denn ein Jota oder ein Kränchen vom Gesetze vergehensollte, daß es nicht erfüllt werde;" ferner:Ich bin nicht gekommen.

U Siehe Hilgenfeld, Das nachapostolische Christenthum.