Das junge Christeuthum. 7 t
Diese beide» Klassen, gebildete Juden und sittliche Heiden, fandenan dem paulinischcn Christeuthum, welches sie von der Beobachtungder jüdischen Religioiisvorschriften wie Sabbat, Speisegesetze undnamentlich Beschneidnng, entbunden hatte, ihre volle Befriedigung.Jene nahmen vielleicht den schwer begreiflichen Glauben von demgekreuzigten Messias, als Gottmenschen und Sohn Gottes, als etwasUnwesentliches in den Kauf; für diese bildete dieser Glaube geradeden rechten Uebergang von der Vielgötterei des Heidenthums zurstrengen Gotteseinheitslehre des Jnvcnthnms. Besonders günstig fürdas Christeuthum wirkte die Tempelzerstörung und der scheinbareUntergang der jüdischen Nationalität. Die Verzweifelten, Schwachenund Bersöhnnngsbedürftigen unter den palästinensischen und aus-wärtigen Juden, welche durch diesen tragischen Fall einen Riß inihrem Herzen fühlten, gaben sich dem Glauben an die Sünden-vergebung und Rechtfertigung (Gerechtigkeit, 2eebüt) durch den Toddes Messias um so williger hin, als er ihnen wenig Opfer auferlcgteund sie mit der Hcidenwelt versöhnte. Der ganze Essäerorden unddie Jünger Johannes des Täufers scheinen sich während des bitter»Krieges mit den Römern und nach dem Fall des Tempels denJesnsjüngern völlig angeschlossen zu haben. Noch besonders zustatten kam dem Christeuthum eine politische Maßregel in Folge derBesiegung Judäas. Jeder Jude war durch ein Gesetz Vespasiansgezwungen, die ehemalige Tempelstener als eine Art Leibzoll andie römischen Behörden abzuliefern, und diese erste Jndensteuer kamden Inden in Rom, Griechenland, Klcinasien, Egypten und überhauptder Diaspora um so drückender vor, als es der erste Schritt war,ihre Gleichstellung im römischen Reiche als Vollbürger zu verkümmern.Manche, denen diese Abgabe als eine Last oder als eine Zurücksetzungverhaßt war, suchten sich ihr durch Verleugnung ihrer jüdischen Ab-stammung zu entziehen. Das half aber für die Dauer nicht; dennder dritte flavianische Kaiser, der zugleich habgierige und grausameDomitian, ließ diese Steuer mit aller Strenge eintrciben und die-jenigen untersuchen, welche ihr jüdisches Bekenntniß verheimlichenwollten. Die Noth machte erfinderisch; so Manche wandten einMittel an, um der lästigen Jndensteuer zu entgehen. Sie machtendas Bnndeszeichen an ihrem Leibe unkenntlich, indem sic sich einekünstliche Vorhaut machten (Lpiplasmos. masolüolmt O'rlab). Bonder gesetzgebenden Behörde in Palästina, von Jabne ans, tadelteman natürlich dieses Verfahren aufs Strengste, als eine Verleugnungdes Abraham-Bundes. Eine Palästinensische Autorität, Eleasar ansModin, erklärte: derjenige, welcher sich eine künstliche Vorhaut mache.