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Geschichte der Juden.
welche in dieser Strenge lebten und von den Früchten, die sie be-saßen oder gekauft hatten, den Zehnten regelmäßig abschieden, bildeteneine Art von Orden (Olmlmral, ^), dessen Ursprung bis hinauf in dieZeit der Parteiungen zwischen Pharisäern und Saddncäern reichte ^j.Dieser Orden scheint auch einen politischen Hintergrund gehabt zuhaben; die Mitglieder desselben hießen Genossen (Obabsrim). Werals Mitglied ausgenommen werden wollte, mußte öffentlich vor dreiMitgliedern versprechen, sich den Regeln des Ordens zu unterwerfen.Verging sich ein Mitglied gegen die Regeln, so wurde es ansgewiesen;ausgestoßen wurden ferner diejenigen, welche den römischen Behördenals Zöllner oder Steuercintreiber Vorschub leisteten: die Zöllner, alsWerkzeuge der römischen Thrannei, waren noch immer der verachtetsteStand.
Im Gegensätze zu dem Orden der Genossen stand das Landvolk,der Sklave der Scholle; jene bildeten gewissermaßen die jüdischenPatrizier, dieses machte die Klasse der Plebejer ans. Von dergeistigen und sittlichen Verwahrlosung des Landvolkes in dieser Zeitentwerfen die Quellen eine grelle Schilderung; wahrscheinlich habendie häufigen Aufstände in den letzten Jahren des jüdischen Staatesund der lange Revolutionskrieg zu dessen Verwilderung und Ent-sittlichung beigetragen. Die Landbewohner sollen im Handel undWandel ohne Redlichkeit, in dem Eheleben ohne Zartsinn, in demUmgänge mit Andern ohne Ehrgefühl und Achtung des Menschen-lebens gewesen sein. Von den jüdischen Gesetzen beobachteten sie nurdasjenige, was ihrem rohen Sinne znsagte, und von dem geistigenLeben waren sie kaum angehaucht. Zwischen dieser ungeschlachtenMasse und dem gebildeteren Stande entstand daher eine tiefe Kluftund erzeugte sich ein gegenseitiger Haß. Die Ordensmitglieder durftenmit Landbewohnern weder zusammen speisen, noch zusammen leben,sie scheuten sich vor deren Berührung, um nicht von ihren Gewändernverunreinigt zu werden. Heirathen zwischen beiden Ständen wareneine Seltenheit; man betrachtete von Seiten der Genossen eine solcheMischehe als eine Entwürdigung. Zeitgenossen berichten, daß derHaß zwischen diesen Patriziern und Plebejern noch größer gewesensei, als zwischen Inden und Heiden. „Wenn sie uns nicht zumGeschäftsverkehr brauchten," sagte R. Elieser, „so würden sie unsmeuchlings überfallen." R. Akiba, welcher aus der nieder» Klassehervorgegangen war, gestand selbst, daß er sich früher wünschte, einen
losikta Dsmai e. 3. und 4. Usoborot 36. f.
ch Siehe Frankels Zeitschrift, Jahrgang 1846, S. 4SI ff.