Druckschrift 
4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Tranerbräuche um den Tempel.

67

Trauer aulegt, wird die Wiederherstellung des Glanzes erleben." . Eswurden daher verschiedene Trauerzeichen cingefnhrt. Beim Ueber-

tünchen eines Hauses mit Kalk wurde eine Stelle nnangestrichengelassen; das weibliche Geschlecht sollte nicht allen Schmuck anlcgen,sondern Manches vermissen lassenzur Erinnerung an Jerusalem".Der Bräutigam durfte am Hochzeitstage nicht den üblichen Kranztragen, und auch die Musik auf einem eigenen Instrumente (Irus,Iris?) blieb weg. Am meisten äußerte sich die Trauer um Jerusalemin Fasten. Die vier Fasttage, welche die nach Babylonien verbanntenJudäer nach dem Fall des ersten Tempels sich freiwillig anferlegthatten, wurden nach dem Falle des zweiten wieder eingeführt; amneunten Ab, am siebzehnten Tammns (statt des neunten), dann imsiebenten und zehnten Monat (Tisobri und lobst). Außerdem fastetendie Frommen in jeder Woche zwei Tage, am Montag und Donnerstags);die Ueberfrommen scheinen gar täglich gefastet zu Habens. Nur anden aus der glücklichen Zeit stammenden Gedenk- und Sicgestagen(^omo Llexillat lsanit) durfte nicht gefastet werden. Diese Er-innerungen an die Errettung aus großen Nöthen sollten dein Ge-dächtniß des Volkes nicht verwischt werden.

Mit der Tempelzerstörung hörten die levitischen Reinheitsgesetzenicht ganz ans, sie hatten in der religiösen Entwickelung einen zubreiten Boden gewonnen. Die Frommen schickten sich zum täglichenGenüsse mit derselben Sorgfalt an, wie für den Genuß des Zehnten,der Priesterhebe oder des Opferfleisches. Man hütete sich vor jederBerührung mit Personen und Sachen, welche gesetzlich eine ver-unreinigende Wirkung hervorzubringen geeignet waren, und bedientesich nur solcher Gewänder und Geräthschaften, die unter der Be-obachtung der Reinheitsgesetze angefertigt waren. Alle diejenigen,

lieber die Trauerzeichen und Fasttage Lola, Ende, besonders losilta 8otaEnde llada llatra p. 60 b. llaanit Ende und Parallelstellen. Für das pflicht-mäßige Fasten am Montag und Donnerstag weiß ich nur zwei spätere Quellenanzufiihren, die aber jedenfalls aus älteren geschöpft haben. Die eine HalaebolOoäolot von Simon Kahira (Abschnitt orrpm ono ' 2 ), nachdem daselbst besonders'Fasttage aufgezählt sind, heißt es weiter: 'wvono: pvpoo m'V nmwn -np:

own nein bpi .-nm.n bpi ow.n bp. Die andere Quelle ist das sogen,

losopbi Il^pomnsstioon ( 0 . 145 bei Habirvius, Ooclsx iissnäspig-rapbus alt.Test. II): Es ist ein Frag- und Antwortspiel: nt Von,WH

xvkt rHr die Antwort lautet eigenthümlich:

Am Montag fasten sie, weil der Tempel von Nebuchadnezar verbrannt, undam Donnerstag, weil er zum zweiten Male von Titus zerstört worden.

2 ) Folgt aus dem Buche Judith 8, 6, vergl. darüber Note 14.