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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

Man bezog die Stelle des letzten Propheten Maleachi:Ueberallwerde Gott Opfer und Weihrauch als reines Geschenk dargebracht,"ans die in der Zerstreuung zu Gott aufsteigenden Gebete H. Ver-öffentliche Gottesdienst hatte eine ganz einfache Form; bestimmteVorbeter gab es nicht. Jeder, der nur das erforderliche Alter unddie Unbescholtenheit des Rufes hatte, durfte vorbeten; die Gemeindeforderte dazu auf, und der Vorbeter hieß ans diesem UmstandederBote der Gemeinde" (Lelioliaob 2ibbur). Derselbe stand vor derheiligen Lade, in welcher die Gesetzesrolle lag, und der Ansdruck fürvorbeten war:vor die Lade treten" odervor die Lade hinunter-gehen"; denn sie stand in einer Vertiefung ^).

Das religiöse Leben wurde in dieser Weise vom Synhedrin unddem Patriarchat allseitig geregelt; die Zerstörung des Tempels hatteinnerhalb des jüdischen Volkskörpers keine Lücke gelassen, wie sichdiejenigen vorstellten, welche außerhalb desselben standen. Gebet,Beschäftigung mit der Lehre und Mildthätigkeit ersetzten das Opfer-wesen. Bis auf den Opferkultus wurde das ganze Gesetz aufsStrengste beobachtet. Man gab den Aroniden den Zehnten unddie übrigen Priestergaben, man ließ nach wie vor die Ecken desFeldes für die Armen stehen und händigte ihnen jedes zweite Jahrden Armenzehnten ein. Sämmtliche Gesetzesbestimmungen, welche sichauf die Heiligkeit des Bodens von Judäa und theilweise auch vonSyrien bezogen, blieben in Kraft. Man beobachtete das Erlaßjahr,insoweit es sich auf den Anbau der Felder und halb und halb aufden Verfall der schwebenden Schulden erstreckte. Kurz man be-trachtete das jüdische Staatswesen, wenn auch für den Augenblickgebrochen, noch als fortbestehend. Aus diesem Grunde wurden Vor-kehrungen getroffen, daß die Ländereien Judäas nicht auf heidnischeCigenthümer dauernd übergehen, und wenn veräußert, nicht in ihreniBesitze verbleiben sollten ^). In Erinnerung au den Tempel, dessenWiederherstellung in nächster Zukunft die süßesten Hoffnungen erweckte,behielt man manche Bräuche bei, welche nur in jener Stätte Sinnund Bedeutung hatten Z. Am ersten Abend des Festes, an welchemfrüher das Passahlamm genossen wurde, feierte man in Ermangelungdesselben das Andenken an die Befreiung aus Egypten mit ent-sprechenden Symbolen. Vorherrschend war eine trauernde düstereStimmung um den Untergang des Staates und die Einäscherung desTempels. Die Volkslehrer legten aus Herz:Wer um Jerusalem

Z llnstiu. OialoZ-. eum Ar^xb. e. tl7.

2) Kommt sehr oft in der talmudischen Literatur vor.

o) 6ittin 47. a. 8. b. U Uasaobim Aisebnali. Ende.