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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Das Kalenderwesen.

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Tage zwischen dem alten und neuen Monate sahen die zunächstwohnenden babylonischen Gemeinden den Feuerzeichen entgegen undwiederholten sie, so wie sie die Feuerscheine erblickten, für die ent-fernter Wohnenden. So erfuhren die Gemeinden in der Enphrat-gegcnd (die Golah) zu gleicher Zeit den Neumondstag und konntenmit dem Mntterlande gleich die Feste feiern. Anders verhielt es sichmit den Gemeinden in Egypten, Kleinasien und Griechenland (dieDiaspora), wo die Feuerzeichen nicht anwendbar waren; diese bliebenstets über die Nenmondstage in Zweifel und hatten deswegen vonjeher den Brauch, zweifelshalber anstatt eines zwei Festtage zufeiern. Die Einsetzung eines Schaltmonats zeigte der Patriarchden Gemeinden durch Sendbriefe an. Er pflegte auch dabei dieGründe anzugeben, welche die Einschaltung nothwendig gemacht haben,um dem Verdachte des willkürlichen Verfahrens von vorn herein zubegegnen ^).

Vom Patriarchen R. Gamaliel ging endlich die Einführungfestgesetzter Gebetformeln aus. Einige Gebetstücke waren uralt schonim Tempel neben dem Opfer im Gebrauche und wurden von derTradition mit Recht auf die Männer der großen Versammlung zurück-geführt. So das Recitiren des Einheitsbekenntnisses aus dem Penta-teuch (8obsmg. mit vorangegangener Lobpreisung Gottes für dastäglich gespendete Sonnenlicht und für die Liebe zu seinem Volke, fernersechs Benedeiungen an Werkeltagen und sieben an den Sabbaten undFeiertagen. Diese Theile waren fest formulirt; sonst blieb es demGemüthe überlassen, welche Gebete es an den Himmel richten, undin welchen Worten es seine Gefühle äußern wollte. R. Gamaliel ließzuerst für das tägliche Gebet die sogenannten achtzehn Bene-deiungen (ksravbot, Eulogien) ein für allemal abschließen, welchebis auf den heutigen Tag in den Synagogen eingeführt sind; dieFassung derselben arbeitete Simon der Jüngere im Aufträgedes Patriarchen aus ^). Damit scheinen jedoch nicht alle Gesetzes-lehrer einverstanden gewesen zu sein; wenigstens von R. Elieserwird berichtet, er habe gegen die Anordnung fester Gebete die Be-merkung gemacht: wer nach einem vorgeschriebenen Muster bete, dessenGebet ströme nicht aus dem Herzen ^). Von einer Gebetformel gegendie Jndenchristen, ebenfalls von R. Gamaliel angeordnet, wird späterdie Rede sein. Im Allgemeinen galt das Gebet als Ersatz desOpfers und man nannte es geradezuden Opferdienst des Herzens."

^ LMbsärin II. a. k. S. Traktat Loksrim o. 19; ILxoclus Labba e. 15.

2 ) AsAlIIa 17. b. k. Ksravbot 28. b. ") Das.

Graetz, Geschichte der Juden. IV. 5