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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

vor dem Synhedriu anssagten, den ersten Streifen des jungen Mondeswahrgenommen zu haben, so wurde dieser Tag als der erste desMonats eingesetzt, wenn nämlich dieses Zeugniß mit der Berechnungstimmte. Fanden sich keine Zeugen ein, so gehörte der in Zweifelschwebende Tag noch zum laufenden Monate; die Monate zähltendemnach bald 29, bald 30 Tage. R. Gamalicl zog aber die astro-nomische Berechnung von der Dauer des Mondumlaufes hinzu, jascheint darauf mehr Gewicht als ans Zeugenaussagen gelegt zu haben.Bei den meisten Monaten des Jahres hatte nach der Zerstörungdes Tempels die Festsetzung des Neumondes keine Wichtigkeit underforderte keineswegs die Mitwirkung des Patriarchen. Anders ver-hielt es sich aber mit dem Hcrbstmonate Tischri und dem Frühlings-monate Nissan, von denen der Beginn der wichtigsten Feiertageabhing. Die Bestimmung derselben, so wie die noch wichtigere Ein-schaltung eines Monats gehörten durchaus zu den Funktionen desPatriarchen und durften ohne dessen Anordnung oder nachträgliche Be-stätigung nicht eingeführt werden. Damit die Festzeiten in der jüdischenGesammtheit an demselben Tage gefeiert werden und in dieser Be-ziehung keine Spaltung herrsche, hatte sich R. Gamaliel II. alsPatriarch die Vollmacht beigelegt, ganz allein darüber verfügen zudürfe«. Sein Collegium erkannte halb überzeugt und halb noth-gedrnngen seine Fest-Anordnungen selbst in dem Falle als gesetzes-kräftig an, wenn er sich irgendwie geirrt, oder sie im Widerspruchemit der Wahrnehmung getroffen hätte Z. Der Neumond wurdein feierlicher Weise eingesetzt und davon dem ganzen Lande und auchden babylonischen Genreinden, auf welche man ganz besondere Rücksichtnahm, Kunde gegeben. Die Kundmachung geschah durch Feuerzeichenvon Station zu Station, was in dem gebirgigen Lande leicht anszn-führen war. Ans dem Oelberge schwang man lodernde Fackeln;sowie dieses ans der nächsten, sechs geographische Meilen entferntenStation, der Bcrgspitze Sartaba") bemerkt wurde, wiederholte manvon da ans dasselbe Zeichen für die andern Stationen, anf Grnpina(Agrippina, Gilboa?), den auranitischen Gebirgen, der Hügelreihejenseits des Jordans von Machärns bis Gadara und so fort bisBet-Beltin an der babylonischen Grenze^). An dem zweifelhaften

') Das.

2) Jetzt Lnrir Lartubsb nicht weit vom Jordanufer; siehe den betreffendenArtikel in Nobinsorw I^alaestina.

3) Loseb ba-Lebanab 22. b. und Dosikta zur Stelle, an der ersten Stelle

muß L-m eineudirt werden in iin inrv d. h. die Berge von

Llaobärns bis Caclara.