Viertes Kapitel.
Inneres Leben der Juden. Wirkungskreis des Synhedrin und des Patriarchen.
Der Orden der Genossen und der sittliche Zustand des Landvolkes.
Das jamnensische Synhedrin war das Herz der jüdischen Nationgeworden, von hier aus strömte Leben und Regsamkeit bis in dieentferntesten Gemeinden, von ihm mußte jede Einrichtung und religiöseBestimmung ausgehen, wenn sie auf Anklang und Heilighaltungrechnen wollte. Das Volk betrachtete den Bestand des Synhedrinals einen Rest des Staates und zollte dem Vorsitzenden desselben(Naßi), der aus dem Hillelschen Hause von dem königlichen BluteDavids war, eine fürstliche Verehrung und Huldigung. Die griechischeBenennung Ethnarch weist darauf hin, daß mit dem Patriarchateine fürstliche Würde verbunden war'). Der Naßi war Volksfürstund seine Würde kam dem königlichen Range nahe. Selbst dergewöhnliche Titel Patriarch schließt eine oberherrliche Funktion ein.Darum war man auf das Hillelsche Haus so stolz, weil durch dessenGlieder die Fürstenwürde in dem Hanse Davids erhalten wurde, undsomit die Prophezeiung des Erzvaters Jacob sich noch immer be-währte, daß „das Scepter nicht weichen werde vom Stamme Juda" ^).Stächst dem Patriarchen standen dessen Stellvertreter (^.b-bst-äin) undder Chacham (der Weise) oder der Sprecher bei den Synhedrial-sitzungen; indessen ist deren eigentlicher Wirkungskreis noch nichtgenau ermittelt. Der Patriarch hatte im Innern die Befugnis), Richter-und Gemeinde - Aemter zu besetzen ^) und wahrscheinlich den Gangderselben zu überwachen. So weit hatte sich die römische Herrschaftnoch nicht in die inneren Angelegenheiten der Inden gemischt, um dieGerichtsbarkeit durch römische Beamten ausüben zu lassen. — DieAutorität des Patriarchen ließ jedoch den Vorstehern eigener Lehr-häuser die Selbstständigkeit ungeschmälert, ihren Jüngern die Würdig-
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2 ) Das. äs iiriueiMs IV. s. Lzuibeärlu 5. a.
b) Norajot. 10. a. Lilrl äsbariin 1.