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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

ziineigten. In der Thcit giebt es nur wenige Zeiten in der gestalten-reichen jüdischen Geschichte, die eine so große Fülle geistig geweckter,in der Hingebung an die Lehre ganz und gar aufgegangener Männeraufzuweiscn hätten. Es war, als ob für die schwere, prüfungsreiche,große Zeit auch die bewährtesten Helden geschaffen worden wären.Wieder einmal seit der Makkabäergeschichte hatte das Jndenthnm einenKampf auf Tod und Leben zu bestehen, und es fehlte nicht anKämpfern, die ihr Herzblut dafür eingesetzt haben. Das große Unglückdes Unterganges aller staatlichen Verhältnisse mag auch dazu bei-getragen haben, den Geist zu reifen und die Kräfte zu stählen. DieErhaltung und der Ausbau der ererbten Lehre war der Vereinigungs-punkt für diese Männer von Thatkraft und Geist, dem sie alle ihreEnergie, ihr Sein und Thun znwendeten. Alle ihre zahlreichen Zeit-genossen des zweiten Geschlechtes hießen in der Sprache jener Zeitdie Geharnischten (ULato Messin), weil das Synhedrin. und dieLehrhänser einem Kampfplatze glichen, auf dem die Theilnchmer ein-ander Gesetzeskämpfe (schrat ,-o/nx«-) lieferten. Diese waren theilsSynhedrialmitglieder, welche bei jedem Beschlüsse eine entscheidendeStimme abzugeben hatten, theils ordinirte Beisitzer, durch die Weihedes zeremoniellen Händeauflegens in den Rang der Weisen (Ordinirten)erhoben, ans deren Mitte sich das Collegium zu ergänzen Pflegte,theils endlich Jünger, welche auf der Erdezu den Füßen ihrerMeister" als Zuhörer saßen.

Zu den hervorragenden Mitgliedern gehörten R. Tarphon oderTryphon aus Lydda, reich und freigebig, heftig und ungestüm, einzelotischer Feind der Judenchristen, der auch in der christlichen Weltbekannt war*); ferner R. Eliescr aus Modin, eine Autorität inder agadischen Auslegung, und N. Jos6 der Galiläer, von Gemüthweich und voller Menschenliebe. Ein einziger Zug mag diesencharakterisiren. Er war gezwungen sich von seiner Frau wegen ihrerTücke zu scheiden, die sich darauf mit einem Stadtwächter verheiratete,und als dieser erblindete, führte sie ihn in allen Straßen zu betteln,nur nicht in derjenigen, wo R. Jose wohnte. Eines Tages aberhatte sie ihr Mann denn doch dazu gezwungen, aber es fiel ihrschwer als Bettlerin die Schwelle zu übertreten, wo sie als Hausfraugewaltet hatte. Der blinde Mann hatte sie aber durch Mißhandlungenzu diesem Schritte drängen wollen, und ihr Wehklagen drang insOhr R. Josä's. Hinauseilen, ihnen znreden und beide, seine ehemaligetückische Frau sammt ihrem zweiten Gatten ins Haus nehmen, und

*) Labbat 11k a. Justinus Martyr hat wohl deswegen in seinem fingirtenDialog den Gegner des Christenthums Tryphon genannt.