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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

lebend und bemittelt, verwendete er sein Vermögen auf Pflege undAusstattung jüdischer Mädchen, welche durch die Kriegsleiden verwaistoder verarmt waren *). Seine Ansichten über das Verhältniß derüberlieferten Lehre zum Schriftworte zeichnen sich durch eine ver-ständige ungekünstelte Haltung aus und scheinen ganz besonders gegenR. Akiba's künstliches Lehrsystem gerichtet zu sein. Einer seinerGrundsätze lautete: Die traditionellen Bestimmungen dürfen nicht zuden ausdrücklichen Worten der Schrift in Widerspruch stehen, dieHalacha müsse mit dem Buchstaben des Textes harmouiren. Nur indrei Fällen hebe die überlieferte Halacha den Sinn des schriftlichenGesetzes geradezu auf, in allen andern Fällen aber müsse sich jenediesem unterordnen. Indessen weicht dieser Grundsatz nicht allzusehrvon R. Akibas Annahme ab, da auch er die Halacha im Schriftwortebegründet wissen wollte. Nur in der Art und Weise, wie jene ausdiesem gesucht und abgeleitet werden soll, gingen die zwei originellenTanaiten weit auseinander. Nach R. Jsmael führte die göttlicheGesetzgebung der Thora eine durchaus menschliche Sprache, worineigene Redewendungen, sprachgebräuchliche Wiederholungen, rednerischeAusmalungen Vorkommen, auf welche eben kein besonderes Gewichtzu legen sei, da sie weiter nichts als den Werth der Form bean-spruchen. Dadurch verwarf er durchweg sämmtliche HerleitungeuR. Akibas, die sich blos auf ein scheinbar überflüssiges (pleonastisches)Wort, eine müssige Silbe oder gar einen einzelnen Buchstaben stützen.R. Akiba folgerte z. B. die Todesstrafe durch Feuer für eine ver-heirathete ehebrecherische Priestertochter aus einem Buchstaben, daraufentgegnete ihm R. Jsmael:Also wegen dieses Buchstabens willst duden Feuertod verhängen lassen?" Nur au drei Stellen gabR. Jsmael jenem zu, daß eine Partikel (otti) eine besondere Deutungerheische, in allen andern gehörte sie lediglich znm syntaktischen Bauder Sprache. Entschieden sprach er sich daher gegen die Regeln derErweiterung und Ausschließung aus, welche in R. Akiba'sSystem eine so wichtige Stelle einnahmeu; nur die logisch einleuchten-den Hillelschen Regeln ließ er als Norm gelten. Aber auch diesewollte er in der heiligen Schrift ausdrücklich begründet sehen, darumbemühte er sich nachzuweiseu, daß die Schlußfolgerung vom Niedernzum Hähern an zehn Stellen in der Bibel selbst vorkomme und ebendadurch berechtigt erscheine. Auch bei der Handhabung der berechtigtenFolgeruugsregeln wollte er Maß und Beschränkung beachtet wissen;mau dürfe nach seiner Ansicht aus einer bloßen Folgerung weder

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