Geschichte der Juden.
Bewunderung: „Wer nähme die Erdschollen von den Angen R.Jochanansb. Sakkai, dciß er sehen könnte, wie seine Befürchtung eitel war, daßeinst eine Halacha anfgegeben werden möchte, weil sie keinen Anhaltim Schrifttexte habe; siehe da, N. Akiba hat dafür eine Anlehnunggefunden" ^). Man gestand sich ein, daß das Gesetz vergessen oderdoch vernachlässigt worden wäre, wenn R. Akiba ihm nicht eine Stützegegeben hätte 2). In übertreibender Begeisterung sagte man: „BieleGesetzesbestimmungen, die Mose unbekannt waren, seien R. Akibaaufgegangen" ^). Eine Sage stellt dieses Verhältnis;, das man sichzwischen Mose und R. Akiba dachte, in einem eigenen Lichte dar.Mose verwunderte sich, welchen Zweck die Kränchen hätten, welcheeinigen Buchstaben der Thora hinzugefügt seien, und Gott belehrteihn hierüber, daß einst nach einer langen Reihe von GeschlechternR. Akiba b. Joseph aus diesen Kränchen Halachas hcrausfinden werde.Mose habe dann eine Sehnsucht empfunden, diese Größe im Geistezu schauen; aber er mußte sich dazu acht Reihen hinter R. Akibasetzen und konnte dessen Worte gar nicht fassen ^). Indessen, so bei-fällig man auch dieses Lehrsystem, zu dessen Handhabung Verstandes-schärfe und Geistesgewandtheit erforderlich war, ausgenommen undspäter für die Halacha-Entwickelung zu Grunde gelegt hat, so hatte esdoch auch seine Gegner gefunden.
Wie R. Akiba durch neue Deutungen der Traditionslehre dieinnere Berechtigung zuerkannte und sicherte, so verhalf er ihr auchzu einer methodischen Abrundung und Ordnung. Er legte den Grundzu dem möglichen Abschlüsse des reichen Stoffes. Es ist bereitsentwickelt worden, daß die Halachas bisher ohne Zusammenhang undohne systematische Gruppirnng vorgetragen wurden. Es erfordertedaher, um sich die ganze Masse derselben anzneignen und zu behalten,einen jahrelangen Umgang mit den Pflegern derselben, unermüdlichenFleiß und ein treues Gedächtniß. R. Akiba aber erleichterte dasStudium der Gesetze, indem er sie systematisch in Gruppen ordneteund dadurch dem Gedächtnisse zu Hülfe kam. Das Ordnen der Gesetzeführte er auf zweierlei Weise aus; er stellte sie zuerst nach ihrem In-halte zusammen, so daß alle Gesetze über Sabbat, Ehe, Scheidungen,über Mein und Dein ein Ganzes bildeten. Dadurch gruppirte sichder ganze Stoff in gleichartige Theile, von denen jeder Theil denNamen Masechta (Nsxtus, Fach) führte. Innerhalb jedes Theilsordnete er die Gesetze dann nach Zahlen, dem Gedächtnisse dadurch
u Vota. 27 b. ") Akri Uaraselm Ukeb.
s) Uesiüta, Uabbatl Uarasvlia. 14. Uumsrl Labba, 0 . 19.
>>) Usuaeboi. 29 b