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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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R. Akiba's Lehrsystem.

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Verständnisse beinahe überflüssig und nur für den Wohllaut und denGeschmack berechnet sei, um die Sätze abzurunden und sie gewisser-maßen zu einem Knnstprodnct zu stempeln. In der Sprache derThora hingegen sei gar nichts Form, Alles an ihr vielmehr Wesen;da gebe es gar nichts Ueberflüssiges, kein Wort, keine Silbe, nichteinmal ein Buchstabe; jede Eigenthümlichkeit des Ausdruckes, jedesFlickwort, jedes Zeichen will als höhere Beziehung, als ein Fingerzeig,als eine tiefere Andeutung angesehen sein. In dieser Beziehung gingR. Akiba über seinen Lehrer Nachum aus Gimso weit hinaus, dernur in einigen Partikeln der Schrift Andeutungen gefunden hatte;jener aber fand sie in jedem Elemente des Satzes, welches nicht ganz,streng genommen, zum Sinne gehört. R. Akiba fügte also eine MengeDeutungs- und Folgerungsregeln zu denen Hillels und Nachnms hinzu,welche ganz neue Anknüpfungspunkte für das traditionelle Gesetz boten.War eine Folgerung ans dem richtigen Gebrauch der Regeln gefunden,so konnte nach diesem System dieselbe wiederum als Vordersatz einerneuen Schlußfolgerung gelten, und so ins Unendliche *). R. Akibaschreckte bei diesem Verfahren vor keiner Consegnenz zurück. SeinSchüler Nehemias aus Emmaus hatte das Deuten einer Partikelbedenklich gefunden in dem Satze:Du sollst den Herrn, deinen Gott,ehrfürchten," weil eine solche hier zu der Annahme führen würde,man dürfe neben Gott noch ein anderes Wesen göttlich verehren,was bei den Angriffen des Christenthnms auf die absolute göttlicheEinheit gar nicht so harmlos erschien; Nehemias war aus dieser Bedenk-lichkeit im Begriff, sich von dieser Lehrweise loszusagen. R. Akibahingegen beseitigte den Einwand durch die Bemerkung: auch in diesemSatz wolle das Gesetz andenten, daß man nächst Gott noch seinheiliges Wort, die Thora, verehren müsse.

R. Akiba hat mit seinem System eine neue Bahn gebrochen,neue Gesichtspunkte eröffnet; dem mündlichen Gesetzesstoffe, von demEinige gesagt hatten, er schwebe an einem Haare und habe keinenAnhaltspunkt in der Schrift, war damit ein Halt gegeben; halachischeStreitigkeiten waren dadurch theilweise abgeschnitten. Die MitweltR. Akiba's war überrascht, geblendet und begeistert von diesem Neuen,das doch zu gleicher Zeit ganz alt schien. R. Tarphon oder Tryphon,der früher R. Akiba überlegen war, äußerte in einem verehrendenTone zu ihm:Wer von dir weicht, weicht von seinem ewigen Leben,was die Ueberliefernng vergißt, das stellst du durch deine Deutungenwieder her" ^). R. Josua, früher sein Lehrer, sprach davon mit

si Siehe Note 7. ") Litri ?arasol>a Lsbalotseba.

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