50 Geschichte der Juden.
überwand alle Schwierigkeiten und stellte ihn als den Gefeiertestendieses Kreises hin.
Indessen hat sich sein schlummernder Geist nicht so schnell ent-wickelt, wie es sich die Sage dachte. Eine Quelle erzählt, daß erbereits mehrere Jahre Zuhörer R. Eliesers gewesen war, ohne vonihm einer belehrenden Antwort gewürdigt worden zu sein. DieserLehrer der starren Ueberlieferung scheint ihn überhaupt mit gewisserVerächtlichkeit behandelt zu haben. Eines Tages hatte der Jüngergegen eine Behauptung R. Eliesers so viele schlagende Beweise geltendgemacht, daß er ihn in eine Enge ohne Ausweg getrieben hatte.Dazu bemerkte R. Josna gegen R. Elieser mit Anspielung auf einenBibelvers: „Siehst du, das ist ja das Volk, das du verachtet hast,tritt doch ans und bekämpfe es" *). Wohl mag auch die eigenthüm-liche Methode R. Akibas bei Ermittelung neuer Gesetze R. EliesersMißbehagen an ihm so sehr erregt haben. Diese neue Lehrweisehatte sich Akiba von Nachnm aus Gimso angceignet, dessen Zuhörerer ebenfalls war, aber nicht zwei und zwanzig Jahre hindurch, wiedie Sage wissen will. Das Unvollendete und bloß Hingeworfenedieser Schule erhob R. Akiba zu einem ansgebildeten System undbildete damit einen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte.
Das ganz eigenthümliche Lehrsystem R. Akibas war mit vollemBewußtsein auf gewissen Prinzipien anfgebant, ans denen sich dieConsequenzen von selbst entwickeln, wie er denn überhaupt als dereinzige systematische Tanai gelten kann. Dieses System betrachteteden vorhandenen Stoff der mündlichen Lehre nicht als einen todtenSchatz, des Wachsthums und der Bereicherung unfähig, oder, wiein den Augen R. Eliesers, als Gegenstand des bloßen Gedächtnisses,sondern er sollte eine ewige Fundgrube bilden, ans welcher sich beirichtiger Anwendung der gebotenen Mittel immer neue Schätze gewinnenlassen. Neue Gesetzesbestimmungen sollten nicht nach dem äußerlichenMaßstabe von Mehrheitsbeschlüssen entschieden werden, sondern ihre Be-rechtigung und Begründung in den geschriebenen Dokumenten dessinnvollen Bibelwortes Nachweisen können. Als obersten Grundsatzseines Systems stellte R. Akiba seine Ueberzeugnng hin, daß derWortlaut der Thora, namentlich in den gesetzlichen (halachischen)Theilen ganz verschieden sei von der Art jedes andern Schriftwerkes.Die menschliche Ansdrucksweise bediene sich außer dem nothwendigenWortbedarfe noch gewisser Wendungen, Redefignren, Wiederholungen,Ausschmückungen, mit einem Worte einer gewissen Form, welche zum
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