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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Geschichte der Juden.

erschwerenden Umzäunungen, welche die Schule Schammai's kurz vordem Tempeluntergange mit Ungestüm und Leidenschaftlichkeit eingeführthatte, bekannt unter dem Namendie achtzehn Bestimmungen",die größtentheils dahin gerichtet waren, den näheren Umgang und jedeherzliche Vertraulichkeit mit Heiden unmöglich zu machen Z, fällteR. Josua ein sehr tadelndes Urtheil. Er sprach sich darüber aus:An jenem Tage hat die Schule Schammai's das Maß der Lehreabgestrichen; wie wenn man Wasser in ein Gefäß mit Oel gießt, jemehr Wasser hineinkömmt, je mehr Oel fließt ab," was eben sagenwill, je mehr Erschwerungen eingeführt werden, desto mehr Wesentlichesgeht von der Lehre verloren. Wie hier gegen die schammaitischenErschwerungen, so scheint er auch gegen das Uebermaß von Folgerungender Hillelschen Schule eingenommen gewesen zn sein. Dahin gehörtsein merkwürdiger Ausspruch:Die Bestimmungen über Sabbat,Festopfer, Mißbrauch der Heiligthümer haben einen geringen Anhalts-punkt in der heiligen Schrift, aber viel Halachas. Die zweite Zangekann man wohl mit der ersten anfertigen, aber womit macht man dieerste?" Aus derselben nüchternen, unbefangenen Ansicht heraus ver-warf er auf's Entschiedenste den Einfluß einer Wnndererscheinnng beiGesetzesentscheidnngen. Es ist schon bekannt, daß er die Berufungauf das Bat-Kol zn Gunsten der Hillelschen Halachas nicht geltenlassen wollte; sein Grundsatz dabei war: das Gesetz ist nicht für dieHimmlischen, sondern für die Menschen mit ihrer eigenen Einsichtgeoffenbarct ^).

Dieser ausgeprägte und milde, besonnene Charakter machte R. Josuaauch am meisten geeignet, die Vermittlerrolle zn übernehmen zwischendem herauf beschworenen Zorne des jüdischen Volkes und dem römischenUebermnthe. Er war der einzige Tanai, der bei den römischenMachthabern Vertrauen genoß und auch wahrscheinlich suchte. Ohneein verrätherischer Römling zu sein, rieth er in nüchterner Berechnungder gegenseitigen Kräfte zur Nachgiebigkeit. Der Tod R. Gamalielsund die feindselige Haltung der Inden gegen die Römer in den letztenJahren des Kaisers Trajan und beim Regierungsantritte Hadriansscheinen R. Josua ans seinem unbedeutenden Handwerkerleben heraus«gerissen und ihm die öffentliche Leitung überantwortet zn haben. Esist auch nicht unwahrscheinlich, daß er das erledigte Patriarchat alsStellvertreter verwaltet hat, wenigstens spricht der Umstand dafür,daß er den Bann von R. Elieser nach dessen Tode löste, eineBefngniß, welche nur von einer dem Patriarchen gleichstehenden

fl S, Band III, Note 26. fl Siehe Note 6.