R. Josua.
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Reise sehr zu statten kam. Er hatte mit R. Gamaliel eine Seereise ge-macht und sich mit mehr Vorrath versehen, als zu der Reise nöthig war.Das Schiff irrte eine längere Zeit ans dem Meere herum, weil dessenFührer, von einem Sterne getäuscht, nach einer andern Richtung zu-gesteuert hatte. R. Gamalicls Mundvorrath war indeß aufgezehrt,und er war um so mehr erstaunt, daß sein Reisegefährte keinen Mangeldaran hatte, ihm sogar davon überlassen konnte. Hierauf theilteR. Josua ihm mit, daß er im Voraus die Wiederkehr eines Sternes(Kometen) für dieses Jahr berechnet habe, der alle siebzig Jahre zuerscheinen pflege und die unkundigen Schiffer irreführe, deswegen habeer sich mit ausreichendem Vorrath für diesen Fall versorgtZ. Dieseastronomische Kenntniß R. Josuas erscheint um so merkwürdiger, alsdie Umlaufszeit der Kometen selbst den gebildeten Völkern des Alter-thums nicht bekannt war. Aber mehr noch als Kenntnisse und Gelehr-samkeit zierten ihn die herzgewinnenden Tugenden der Bescheidenheit,Sanftmuth und Versöhnlichkeit, wodurch er so sehr seinem MeisterR. Jochanan glich. Es ist schon erwähnt, wie er einem demüthigendenBefehle R. Gamaliels Folge geleistet, nnd wie er ferner nach demvollständigen Siege über seinen Gegner zuerst die Hand geboten, ihmzu der Wiedererlangung der eingebüßten Würde zu verhelfen. Durchseine Mäßigung und seinen versöhnlichen Charakter hat er unbe-rechenbare Spaltungen im Schoße des Judenthums verhütet, dieunfehlbar ausgcbrochen wäre», indem R. Josua in der Gunst desVolkes stand und R. Gamaliel seinerseits nicht ohne Anhang war.Ein fortdauernder Zwist zwischen den beiden Hauptvertretern desjüdischen Gesammtweseus hätte vielleicht die Sektenbildung im jüdischenKreise wiederholt, welche das Christenthum in demselben Zeitalter ineiner so maßlosen Weise gespalten hat.
Dieselbe Milde und Mäßigung, wie im Leben, bewährte R. Josuaauch in der Lehre; er war ein Feind aller Uebertreibungen und Selt-samkeiten und nahm bei Gesetzesentscheidungen auf die Lcbensumständedie gebührende Rücksicht. Den frommen Zeloten, welche nach derTempelzerstörung nicht Wein noch Fleisch genießen mochten, weil der-gleichen Opfergaben nicht mehr auf den Altar kommen können, erwiderteer: so dürfte man auch kein Wasser trinken, weil solches doch aucheinmal auf den Altar gegossen wurde, und aus demselben Grundemüßte man sich auch des Brod.genusses enthalten. Er stellte daherden weisen Grundsatz auf, man dürfe keinerlei Erschwerungen auf-lcgen, bei denen die Gesammtheit nicht bestehen könne ^). Ueber die
i) Lornsot 10 n.
") llosiktn Lotn o. 15; 1>. Lnbn Latin x. 69 b.
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