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Geschichte der Juden.
den Worten an: „Es scheint mir, daß deine Genossen sich von direntfernt halten." N. Elieser verstand den Wink, nahm diesen Schlagjedoch ohne Widerstreben an; er unterzog sich dem Banne und lebtevon der Zeit an von seinen Freunden entfernt. Es scheint auch, daßer während seines Bannes sich nicht mehr in Lydda, sondern größten-theils in Cäsarea aufhielt und dann und .wann auch in Obergaliläaweilte. Nur einen entfernten Antheil nahm er noch an den Lehr-verhandlnngcn in Jamnia. Hörte er von einem wichtigen Beschlüsse,so Pflegte er ihn zuweilen durch seinen Halachaschatz zu bestätigen oderzu verspotten.
Während seiner Abgeschiedenheit scheint R. Elieser mit Juden-christen, die zumeist in Galiläa lebten, Umgang gepflogen zu haben;Einer von dieser Sekte wird namhaft gemacht, Jakob ans Kephar-Samia (oder LsUanjs.), mit dem er in Sepphoris eine Unterredunghatte, und von dem er eine sonderbare halachische Entscheidung ausJesu Munde vernahm. R. Elieser hatte diese Mittheilung ohne Skrupelangehört und ihr sogar Beifall geschenkt; dieses mag in die Zeit fallen,als Juden und Jndenchristen sich nocb nicht gegeneinander abgeschlossenhatten. Dieser berühmte Mischnalehrer wurde eben wegen seines Um-ganges mit Christen als Glied der Christengemeinde angesehen, unddeshalb vor die Schranken des peinlichen Gerichtes gestellt. Seitdemsich nämlich das Christenthum namentlich in Kleinasien so außerordent-lich verbreitet hatte, daß die heidnischen Tempel immer weniger Be-sucher, die Götter immer weniger Verehrer fanden, dekretirte dierömische Gesetzgebung, weil sie in der neuen Christuslehre den Verfallihrer Staatsinstitutionen mit einem richtigen Vorgefühle geahnt hatte,immer strengere Maßregeln gegen die Christen. Trajan, menschlicher,aber nicht gerechter als Domitian, hatte ein milderes Verfahren fürdie als Christen Angeklagten eintrcten lassen; ein Angeklagter konntesich von dem Verdachte reinigen, wenn er Christus öffentlich verlengnete,oder vor einer Götterstatue oder vor dem Kaiserbilde opferte^). Ineine solche Anklage scheint R. Elieser verwickelt gewesen zu sein, unddarauf hin ließ ihn der Statthalter von Syrien zu einem strengenVerhöre vorladen. Er fragte ihn, wie es denn möglich sei, daß einGreis von seinen Gesinnungen sich in solche eitle Sachen einlassen könnte.R. Elieser antwortete ihm: „Du selbst magst Bürge für mich sein,(daß ich nicht zu dieser Sekte gehöre)" ; diese Erklärung genügte schon,ihn von der Anklage frei zu sprechen. Er aber konnte sich nicht darüberberuhigen, als Christ angesehen worden zu sein, machte sich Vorwürfe
U Ulmins des Jüngern Briefe. Buch X. Brief 97. 98.