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4 (1893) Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmud
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Seine Richtung.

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sich gegen derartige Folgerungen zu sperren, scheint die Warnung hervor-gegangen zu sein, die er seinen Schülern einprägte:Haltet eure

Kinder fern vom Grübeln (HiZag'ou), lasset sie lieber auf den Kuieender Weisen erziehen."

R. Elieser bildet also das erhaltende Element in diesem Kreise,er war das Organ des treuen Gedächtnisses für die Tradition, welchesdie Halachas ohne die geringste Modifizirnng rein wiedergiebt, wiees sie ausgenommen! er war dieverkalkte Cisterne", die keinen Tropfendes hineingekommenen Wassers verrinnen, aber auch keinen neuen zn-dringen läßt. Zeitgenossen und Nachwelt gaben ihm den ehrenvollenBeinamenSinai", eine lebendige Gesetzestafel unveränderlicher Vor-schriften. So groß aber auch sein Ansehen als treuer Bewahrer über-kommener Lehren war, so stand er doch mit seinem einseitigen Beharrenauf Traditionen ziemlich isolirt. Seine Genossen waren zu sehr in dievon Hillel angebahnte Richtung hineingezogen, nicht gerade Behältnißdes Gesetzes zu sein, sondern auch dessen lebendige Ausleger undFortbildner. Seine vereinzelte Richtung mußte mit der Haupt-richtung der Zeit einmal zusammenstoßen. Am schroffsten stand erseinem Schwager R. Gamaliel und dessen ausschließendcm Einheits-streben gegenüber. Auf der einen Seite die normirende Autorität, dieihre Berechtigung aus dem Bedürfnisse der Gegenwart schöpfte, mitdem kräftigsten Willen, jede Auflehnung gegen das irgendwie An-genommene nicderzuhalten: auf der andern Seite das sichere Bewußt-sein, welches sich auf die Sanktion der Vergangenheit berief. SolcheGegensätze sind nicht leicht zu vermitteln. Auch war R. Elieser nichtder Mann, seine Ueberzengung aufzngeben. Man rügte an ihm ebendiesen ungefügigen Charakter, der seine Ansicht Andern nicht unter-ordnen mochte 2). Wie schon erwähnt, war die Veranlassung zur Ent-zweiung eine Debatte über den Achnai-Ofen. Diese an sich unbedeutendeThatsache war lediglich die nächste Gelegenheit zum Bruche, dessenUrsachen aber viel tiefer lagen. Ausdrücklich wird in den beglaubigtenQuellen hervorgehobcn, daß R. Gamaliel's Strenge sich nicht gegenR. Elicser's theoretischen Widerspruch, sondern gegen dessen that-sächlichen Widerstand gerichtet hatte. Er wurde in den Bann gelegt,weil er, auf seiner Meinung beharrend, auch praktisch darnach verfahrenwar. Die Hochachtung gegen seine Person machte es indessen schwer,ihm den Bann anzukündigen; wiederum übernahm R. Akiba dieseunangenehme Botschaft. Schwarzgekleidet erschien er vor R. Elieser,ihm schonend das über ihn Verhängte beizubringen und redete ihn mit

Z Siehe Note 5. -) Inanit 25 b.